Architektur-Fotografie: Die besten Tipps und Motivideen

Von Yella Roth - Do, 10.10.2019 - 17:30
Architektur-Fotografie aus London, zu sehen ist der Skygarden.

Architektur-Fotografie bietet das ganze Jahr schöne Motive. Besonders in der Urlaubszeit locken nicht nur Sand, Strand oder Berge, sondern die aufregenden Städte dieser Welt. In unserem praktischen Ratgeber für Architektur-Fotografie erfahren Sie, welche Foto-Ausrüstung geeignet ist, welche Kamera-Einstellungen optimal sind, welche Städte die interessanteste Architektur bieten, welche Architektur-Motive sich gut eignen und wie Sie Ihre Städtereise als Foto-Trip planen können. Beeindrucken Sie mit Fotos, die nicht jeder hat!

 

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Tipp 1: Das richtige Equipment für Architektur-Fotografie benutzen

Für Architektur-Fotografie brauchen Sie eine zuverlässige Ausrüstung © Unsplash

Kamera-Ausrüstung für einen professionellen Fotografie-Trip

Wenn Sie an professionellen Fotos interessiert sind, dann benötigen Sie eine komplette Ausrüstung. Klären Sie im Vorfeld, ob Sie sich genug Zeit nehmen können, um Objektive zu wechseln, Ihr Stativ aufzubauen oder Langzeitbelichtungen vorzunehmen. Hochwertige Bilder brauchen Zeit! Buchen Sie dann am besten gleich eine Foto-Reise oder reisen Sie mit Gleichgesinnten.
Auf Reisen mit viel Gepäck gerät schnell einmal etwas abhanden. Eine teure Ausrüstung ist zudem anfällig für Diebstahl. Überlegen Sie sich bei wertvollem Gerät, eine Versicherung abzuschließen. Rechnen Sie den Wert Ihrer Ausrüstung zusammen und schauen Sie, ob sich die Police lohnt. 

Unsere Packliste für erprobte Architektur-Fotografen:

  • Spiegelreflex- oder Systemkamera
  • mehrere Weitwinkelobjektive oder Zoomobjektive - günstige Modelle sind z.B. Sigma 10-20mm  und das Tamron 10-24mm
  • ein Tilt-Shift-Objektiv wie das Canon T-S 17mm, wenn Sie ein großes Budget zur Verfügung haben
  • Stativ, z.B ein Manfrotto Compact Light gibt es schon ab 50 €
  • ein Fernauslöser, um Verwacklungen bei längeren Belichtungszeiten zu vermeiden
  • verschiedene Graufilter
  • Gegenlichtblende
  • wind- und wetterfeste Taschen
  • Regenschutz für die Kamera
  • Objektivtuch
  • genügend Akkus
  • Extra Speicherkarten
  • je nach Reiseland: Steckdosenadapter

 

Für gelungene architektonische Aufnahmen ist ein Weitwinkelobjektiv obligatorisch. Mit diesem Objektivtyp mit seinen kurzen Festbrennweiten (10 - 35mm) wird Ihr Bildausschnitt größer und Sie können genug Abstand halten, um auch in Innenräumen alles scharf aufs Bild zu bekommen. Vor allem bei weitläufigen Aufnahmen oder Panoramen ist es wichtig, eine Tiefenwirkung zu erzeugen. Ein Tilt-Shift-Objektiv wie das Canon T-S 17mm ist speziell für Architekturfotografie entwickelt worden, es kostet allerdings ca. 2000 €. 
 

Wenn Sie Architektur fotografieren, suchen Sie eine höher gelegene Stelle auf © Unsplash

Kamera-Ausrüstung für leichtes Gepäck

Der Umfang Ihrer Ausrüstung hängt von der geplanten Reise und Ihren anvisierten Motiven ab. Sicherlich möchten Sie nicht immer eine schwere Ausrüstung mitführen. Anfänger oder Gelegenheitsfotografen brauchen keine teuren Tilt-Shift-Objektive. Mehrere Objektive für unterschiedliche Aufgaben mit verschiedenen Festbrennweiten oder ein Zoomobjektiv sind allerdings empfehlenswert.

Unsere Packliste für gelegentliche Architektur-Fotografen und Fotografinnen:

  • Spiegelreflex oder Kompaktkamera
  • Gorillapod 
  • ein Bohnensack ist eine gute Alternative, um eine Kamera verwacklungsfrei absetzen zu können, wenn Sie kein Stativ mitnehmen möchten
  • verschiedene Festbrennweiten oder ein Zoomobjektiv
  • genügend Akkus
  • Extra Speicherkarten
  • je nach Reiseland: Steckdosenadapter

 

Architektur-Fotos mit dem Smartphone oder der Kompaktkamera

Keine Lust oder keinen Platz im Gepäck für eine große Fotoausrüstung? Sie möchten aber trotzdem schöne Architektur-Fotos machen? Dann lesen Sie unsere Tipps, wenn Sie nur mit dem Smartphone oder einer Kompaktkamera unterwegs sind. Ohne Profiausrüstung zu fotografieren ist eine gute Übung für Bildkomposition und Beobachtungsgabe. Gelungene Fotos sind ein Resultat Ihres Auges und nicht zwingend Ihrer Ausrüstung.

Extra-Tipp für stabile Ergebnisse: Halten Sie Ihr Smartphone während des Fotografierens mit beiden Händen fest. Entweder Sie winkeln die Arme am Körper an oder Sie strecken sie geradeaus nach vorne. So verwackeln Ihre Aufnahmen nicht. Nehmen Sie ein kleines Stativ wie einen Gorillapod (es gibt sogar hybride Lösungen für Smartphones und Kameras).

Wir empfehlen für die Bildbearbeitung auf dem Smartphone Apps wie:
Slow Shutter Cam für iOS , Langzeitbelichtungseffekte mit Camera FV-5 Lite für Android und Snapseed für iOS und  Snapseed für Android als Allround-App.

Architektur-Fotografie aus Berlin mit klaren Linien © Jan-Ole Schmidt

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Tipp 2: Die richtigen Kameraeinstellungen für Architektur-Fotografie

Die richtigen Kamera-Einstellungen für Architektur-Fotografie mit der Systemkamera:

  • immer im RAW-Format fotografieren
  • hohe Blendenwerte = großer Schärfebereich (gut für große Bildausschnitte), also z.B. f/8, f/11
  • kleine ISO-Werte (50-100)
  • Bildstabilisator deaktivieren, wenn Sie ein Stativ verwenden

 

Einstellungen für Architektur-Fotografie mit dem Smartphone: 

  • wenn möglich im RAW-Format fotografieren
  • größte Bildeinstellung wählen für die beste Qualität
  • Gitterlinien aktivieren, um stürzende Linien zu vermeiden
  • HDR-Modus für schwierige Lichtverhältnisse verwenden

 

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Tipp 3: Planen Sie Ihre Momente der Architektur- Fotografie im Vorfeld

Planen Sie Fotomomente effizient ein, indem Sie vor der Reise verschiedene Stationen und Sehenswürdigkeiten auf der Karte markieren. Dementsprechend können Sie auch Ihre Unterkunft in der Nähe buchen. Für den Urlaubsort laden Sie dann Ihren Stadtplan als Offlinekarte herunter.
Stöbern Sie im Vorfeld auf Flickr, Pinterest oder Instagram nach Motiven, die Sie inspirieren. Wichtig hierbei ist, gerichtet nach Hashtags zu suchen, zum Beispiel #nycphotography oder #berlinarchitecture. Manche Fotografen bieten auch Fotosafaris oder Stadtführer als App zum Herunterladen an. So gesehen bei Frau Elbville, einer Fotografin aus Hamburg. 

Wenn es an Ihrem Urlaubsort Fotowalks gibt, also Stadtführungen mit Themen speziell für Fotografen, ist das eine günstige Gelegenheit, Ihre Fotografiefähigkeiten aufzupolieren. Das Tolle ist, dass Sie dann in einer Gruppe Gleichgesinnter sind und ein Thema gestellt bekommen oder eine Stadt auf eine ganz andere Art kennenlernen. 
Alternativ dazu können Sie am Urlaubsort mit Ortsansässigen sprechen um so an wertvolle Insider-Tipps zu gelangen. So werden Sie noch das eine oder andere unentdeckte Juwel vor Ihre Linse bekommen!
Beim Onlinedienst Locationscout sind viele Orte für Fotomotive gelistet, zudem sind dort Perspektiven und Tageszeiten für Aufnahmen vermerkt!

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Tipp 4: Die interessantesten Städte für Architektur-Fotografie besuchen

Moderne Architektur verdient moderne Architektur-Fotografie ©  Unsplash  ⎸Die Erasmusbrücke in Rotterdam

Es gibt Städte, die für bestimmte Architektur-Epochen besonders charakteristisch sind. In den folgenden 10 Städten werden Sie viel hochwertiges Bild-Material für ein Fotobuch einfangen können - jenseits der Klassiker New York, Paris oder Florenz.

Athen, Griechenland: Klassische Antike
Die Tempel auf der Akropolis datieren bis ins 5. Jahrhundert v. Chr und noch weiter zurück. Von dem weltberühmten Tempelberg aus haben Sie einen Rundumblick über das antike und das moderne Athen. 

Istanbul, Turkei: Byzantinisch/Ottomanisch
Die Einflüsse der Byzantiner und der Ottomanen vereinen sich in der Moschee Hagia Sophia, die von der bewegten Geschichte der Bosporus-Metropole zeugt. Doch auch Liebhaber moderner Architektur kommen auf ihre Kosten in Istanbuls einzigartigem Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

St. Petersburg, Russland: Rokoko
Rokoko-Gebäude stehen für Pastellfarben, Gold, verspielte Elemente und Zarenpaläste. St.Petersburg hat eine Menge davon zu bieten. Entdecken Sie die faszinierende bunte Architektur des 18.Jahrhunderts der Eremitage und des Katharinenpalastes.

Hanoi, Vietnam: Französischer Kolonialstil
Im südostasiatischen Raum können Sie noch heute intakte Bauwerke und Überreste des französischen Kolonialstils des ausgehenden 19.Jahrhunderts entdecken. Viele Gebäude der ehemaligen Besatzer sind mittlerweile verfallen und geben morbide Fotomotive ab. 

Budapest, Ungarn:  Art Nouveau/Jugendstil
Zu Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts kam die verspielte florale Architektur des Jugendstils auf. Besonders gut lässt sie sich am Gresham Palast, dem Budapester Zoo und dem Botanischen Garten bewundern.

Miami, Florida: Art Deco
Auf den Jugendstil folgte Art Deco. In den 1920er bis 30er Jahren erbaut, ist der Miami Beach District die größte Ansammlung von Art Deco-Architektur der Welt. Achten Sie auf die geometrischen abgerundeten Formen und die pastelligen Farben.

Tel Aviv, Israel: Bauhaus
Die geradlinige Formensprache des Bauhaus gibt es nicht nur in Deutschland zu entdecken. Tel Aviv’s “Weiße Stadt” enthält mehr als 4000 Gebäude aus den 1930er und 40er Jahren.

Brasília, Brasilien: Futurismus
Architekt Oscar Niemeyer entwarf in den 1950er Jahren fast die gesamte brasilianische Hauptstadt neu. Binnen weniger Monate entstand eine Planstadt auf dem Reißbrett mit der berühmten futuristischen Glas- und Betonarchitektur.

Las Vegas, Nevada: Postmoderne
Bei schöner Architektur denken Sie wahrscheinlich nicht direkt an das grelle Las Vegas. Doch mit seiner “Nicht-Architektur” der Parkplätze, Neon-Schilder und den an historische Vorbilder angelehnten Casinos ist Las Vegas zentral für das Aufkommen der verspielten postmodernen Architektur, die sich gegen den strengen Formalismus des sogenannten Internationalen Stils wendet.

Rotterdam, Niederlande: Zeitgenössische Moderne
Da Rotterdam nach dem zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört war, musste man die Stadt aus der Asche auferstehen lassen. Auffallend ist der Mut der niederländischen Metropole zu gewagten und ikonischen Bauprojekten. Die Erasmusbrücke, die Kubus-Wohnungen und die neue Markthalle sind nur einige Beispiele.

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Tipp 5: Wetter und Licht für die Architektur- Fotografie nutzen

Architektur-Fotografie gelingt bei jedem Wetter © Jan-Ole Schmidt

Auch ein grauer, bewölkter Tag oder strömender Regen und Gewitter haben Ihren Reiz für die Architektur-Fotografie. Ein strahlender Himmel mit greller Sonne sorgt zwar für starke Farbkontraste, aber es besteht die Gefahr der Überbelichtung. Viele Architekturfotos entstehen bei bewölktem Himmel. Wenn Ihre Kameraausrüstung wetterfest eingepackt ist, können Sie bei jeder Wetterlage einzigartige Fotos schießen! 

Architektur-Motive für schönes Wetter und viel Sonne:

  • Parks und Gärten
  • starke Kontraste wie dunkle Gebäude und heller Himmel
  • Harte Schatten und viel Licht inszenieren Sie dramatisch mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen (zum Beispiel analog mit einem Schwarz-Weiß-Film oder in der Nachbearbeitung)
  • mit Streiflichtern oder Lichtreflexionen arbeiten 

 

Architektur-Motive und Ideen für schlechtes Wetter:

  • Pfützen und Reflexionen
  • Tropfen an Scheiben oder Glasfassaden
  • aufsteigender Dampf, zum Beispiel aus Gullis
  • Innenräume (zum Beispiel eine Bibliothek, eine Markthalle, ein Bahnhof, eine Ubahnstation oder ein Treppenhaus - schauen Sie sich dazu unsere Tipps für Innenaufnahmen an!)
  • Gewitter fotografieren
  • Farbtupfer fotografien (Graffiti, Wandmalereien oder bunt gekleidete Passanten, die sich gegen einen grauen Himmel absetzen)
  • Zur Not: Grauen Himmel einfach abschneiden

 

Architektur-Fotografie gelingt auch bei Gewitter © Jan-Ole Schmidt

Das richtige Licht für Architektur-Fotografie

Wie bei Strandfotos oder Landschaftsaufnahmen herrscht das beste Licht zur goldenen Stunde oder zur blauen Stunde. In der goldenen Stunde (also zu Sonnenauf- oder Sonnenuntergang) ist die Welt in ein besonders warmes Licht getaucht. In der blauen Stunde (ca. eine Stunde nach Sonnenuntergang) leuchten Kontraste von dunklem Himmel und künstlicher Beleuchtung besonders stark. Gerade beleuchtete Architektur kommt so voll zur Geltung. Experimentieren Sie mit Streiflichtern und weit fallenden Schatten, um Tiefenwirkung zu erzeugen! Schauen Sie sich Ihr Motiv zu verschiedenen Tageszeiten an, und entscheiden Sie sich dann für eine Aufnahmesituation oder machen Sie eine ganze Fotoserie zu unterschiedlichen Tageszeiten, Stimmungen oder Wetterlagen. Bauwerke profitieren von direktem, tiefstehenden Licht abends oder morgens. So betont das Licht Strukturen, Farben und Oberflächen!
Laden Sie sich entsprechende Apps herunter, um die beste Lichtsituation an Ihrem Urlaubsort zu errechnen. In unserem Artikel zur blauen Stunde finden Sie verschiedene Blaue-Stunde-Rechner

Geheimtipp: Der Winter eignet sich übrigens sehr gut zum Fotografieren von Architektur. Kahle Bäume verdecken weniger die Sicht auf Gebäude und die tiefstehende Wintersonne betont Eigenheiten der Architektur.

Architektur-Fotografie kommt zur blauen Stunde voll zur Geltung. © WhiteWall

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Tipp 6: Perspektive und Komposition in der Architektur-Fotografie beachten

Stürzende Linien lassen sich vermeiden bei der Architektur-Fotografie ©  Unsplash  ⎸Fast identische Ansicht einer Kathedrale, mit und ohne stürzende Linien.

Stürzende Linien korrigieren oder bewusst einsetzen

Ein großes Problem, wenn Sie hohe Gebäude wie Kirchen oder Hochhäuser fotografieren, ist, dass sich perspektivische Verformungen ergeben. Diese sogenannten stürzenden Linien stören die Harmonie der Aufnahme und wirken unprofessionell, wenn Sie diese nicht bewusst einsetzen. Gebäude scheinen nach hinten zu kippen, da sich die Perspektive verkürzt. Der Grund dafür ist die Zentralperspektive. Bei der Zentralperspektive laufen Linien in einem oder mehreren Fluchtpunkten zusammen. Dieses Phänomen entspricht unseren natürlichen Sehgewohnheiten. Unser Gehirn und Gleichgewichtsorgan entzerren diesen Effekt für uns, die Kamera tut dies jedoch nicht automatisch. 

Für Architektur-Fotografie ist es schöner, parallele Linien anzustreben. Dafür müssen Sie Ihren Standpunkt erhöhen oder sich von  Ihrem Objekt entfernen und ein Teleobjektiv verwenden, um ein Schwenken der Kamera zu vermeiden. Es geht darum, dass Sie den Sensor möglichst parallel zur Bildebene halten. Die meisten Kameras haben digitale oder analoge Wasserwaagen eingebaut, die Ihnen eine möglichst waagerechte Position anzeigen. Andere Kameras bieten integrierte Objektivkorrekturen. Im RAW-Modus ermitteln Sie Ihr Objektivprofil und nehmen dann eine Objektivkorrektur vor. 
Tilt-Shift-Objektive erledigen diese perspektivische Korrektur bei der Aufnahme, darum sind sie so geeignet für Architektur-Fotografie. 

Ansonsten helfen Ihnen Bildbearbeitungsprogramme bei Korrekturen. Zum Beispiel mit dem Transformieren-Tool oder der Objektivkorrektur in Photoshop. Planen Sie Spielraum für perspektivische Korrekturen ein und wählen Sie Ihren Bildausschnitt von vornherein größer

Stürzende Linien können Sie bewusst einsetzen in der Architektur-Fotografie © Unsplash

Sie können aber auch ganz bewusst spielen mit den stürzenden Linien. So ergibt sich eine beeindruckende Froschperspektive, wenn Sie ein Hochhaus von unten fotografieren. Dies verdeutlicht die gigantischen Ausmaße eines solchen Gebäudes, nach dem man sich den Kopf verdrehen muss.

Unsere Tipps gegen stürzende Linien in der Übersicht:

  • parallele Linien anstreben
  • Standpunkt erhöhen 
  • weiter weg gehen oder herauszoomen
  • auf Wasserwaagen an der Kamera achten
  • Objektivkorrekturen durchführen (RAW-Modus der Kamera oder nachträglich in einem Bildbearbeitungsprogramm)
  • Tilt-Shift-Objektiv verwenden
  • Bild nachträglich transformieren (Ausschnitt groß wählen beim Fotografieren)
  • stürzende Linien bewusst einsetzen für Effekte 

 

Kompositionen entdecken für spannungsvolle Bilder

Halten Sie die Augen offen! In scheinbar nebensächlichen Details und Strukturen wie Treppengeländern, Ornamenten, Fenstern, Pflastersteinen, Brücken oder Schildern stecken verborgene Welten und es gibt ungewöhnliche Kompositionen zu entdecken. Bei Fotos von Architektur muss nicht das komplette Gebäude abgebildet sein. Anschnitte, Ausschnitte und Details geben oft genauso einen Wiedererkennungswert. Denken Sie an das ikonische Rosettenfenster der Notre-Dame-Kathedrale oder an New Yorks metallene Feuerleitern an den Fassaden der Backsteinhäuser. Füllen Sie Ihren Bildausschnitt mit einer “Nahaufnahme” und machen Sie so die Komposition abstrakt.

Architektur-Fotografie lebt von Details wie Ausschnitten © Unsplash

Halten Sie sich an klassische Regeln der Bildkomposition wie z.B. der Goldene Schnitt oder vereinfacht die Drittel-Regel. Das Motiv befindet sich dann, grob ausgedrückt, im oberen, unteren oder einem der seitlichen Drittel des Bildes. Damit erreichen Sie immer ein harmonisches Bildergebnis. Nur mittige Bildkompositionen sind auf die Dauer sehr statisch. Aber auch hier gilt: Probieren Sie Dinge aus. Es gibt nicht die eine Regel, um ein Bild zu komponieren. Für Instagram funktionieren gerade mittig und symmetrisch angelegte Fotos wegen der (quadratischen) Rasterstruktur der Plattform.


Ausschnitthafte Architektur-Fotografie hat ihren Reiz. © WhiteWall

Orientieren Sie sich an den vorhandenen dominanten Linien der Architektur, folgen Sie Ihnen oder brechen Sie diese bewusst. Zoomen Sie hinein, bis das Bild eine abstrakte Komposition zeigt. Entdecken Sie Symmetrien und Muster!

Dominante Linien helfen bei der Bildführung in der Architektur-Fotografie © WhiteWall

Es hilft, wenn Sie sich mit der Geschichte des Gebäudes, das Sie fotografieren möchten, auseinandersetzen. Was war die Idee der Architekten? Zu welchem Zweck wurde das Gebäude errichtet? Welche historischen Spuren können Sie entdecken? Und wie bringen Sie dieses “Storytelling” deutlich ins Bild?

Unsere Vorschläge für gelungene Kompositionen:

  •  Auf Anschnitte, Ausschnitte und Details achten
  • auch mal den Frame komplett ausfüllen (Nahaufnahme)
  • Drittel-Regel beachten
  • mit dem Goldenen Schnitt komponieren
  • vorhandene dominante Linien nutzen, die ins Bild hineinführen
  • Symmetrien und Muster finden
  • abstrakte Kompositionen arrangieren
  • Geschichte des Gebäudes beachten und diese herausstellen

 

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Tipp 7: Motive finden und Tricks für Architektur-Fotografie anwenden

Wahrzeichen in der Architektur-Fotografie müssen nicht langweilig sein © Unsplash

 Wahrzeichen ganz neu inszenieren

Altbekannte Wahrzeichen berühmter Städte sind zwar ikonisch, aber bieten keine sonderlich originellen Motive. Oder etwa doch? Überlegen Sie sich, wie Sie zum Beispiel den Eiffelturm oder die Pyramiden von Gizeh völlig neu darstellen können! Fotografieren Sie nicht das Objekt selbst, sondern nur eine Reflexion in einem Busfenster oder einer Pfütze! Oder Sie machen ein Porträt Ihrer Begleitung mit dem Wahrzeichen dezent im Hintergrund mit verschwimmendem Bokeh. Wechseln Sie die Perspektive! Gehen Sie heraus aus der Stadt und schießen Sie ein Panorama aus der Ferne, steigen Sie auf einen Kirchturm oder fotografieren Sie nur, was auf den Treppenstufen der Sagrada Familia passiert. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, brechen Sie mit überstrapazierten Sehgewohnheiten!

Der Eifelturm von unten, ungewöhnliche Perspektiven eignen sich für Architektur-Fotografie © Unsplash

Langzeitbelichtung gegen ablenkende Menschenmengen

Ein weiteres Problem bei Touristenattraktionen: Viele Menschen können den Blick auf die Architektur verstellen .

Unser Tipp: Machen Sie eine Langzeitbelichtung, bis Menschen weniger als Individuen erkennbar sind und den Fokus nicht von der Architektur lenken. Außerdem verletzten Sie so keine Rechte der Abgebildeten. Wenn möglich, sollten Sie mit einem Stativ fotografieren. Oder Sie fotografieren in den frühen Morgenstunden, wenn noch kein Tourist wach ist.

Architektur-Fotorafie kann von Langzeitbelichtung profitieren
© Unsplash

Ungewöhnliche Themen als Motive entdecken

Stellen Sie sich ein Thema. Beispielsweise eine bestimmte Farbe, die Sie immer wieder entdecken. Oder Restaurantschilder, U-Bahnhöfe, alte und neue Architektur oder andere Gegensatzpaare wie arme und reiche Gegenden, Betonwüsten und grüne Parks. Was zeichnet Ihr Reiseziel aus? Oder wie haben Sie Ihre Heimatstadt noch nie gesehen? Auf wessen Spuren können Sie wandeln? Welche Geschichte können Sie mit Architektur erzählen? Weichen Sie von den Hauptstraßen ab. Schauen Sie in Hinterhöfe, Seitenstraßen oder Industriegebiete. Entdecken Sie die Schönheit im Verborgenen oder Imperfekten!

Auch eine Nebenstraße bietet ein spannendes Motiv für Architektur-Fotografie © Unsplash

Schwarz-Weiß fotografieren für dramatische Effekte

Komponieren Sie Ihre Aufnahmen in schwarz-weiß! Auch wenn Sie erst nachträglich in der Bildbearbeitung auf eine schwarz-weiße Färbung setzen, bedenken Sie schon bei der Aufnahme, wie Ihr Foto in schwarz-weiß wirken wird. Kontraste, Licht, Schatten und Komposition sind nämlich noch wichtiger als beim Fotografieren in Farbe. Schwarz-Weiß verleiht der Architektur-Fotografie eine gewichtige, ruhige Ausstrahlung.

Anna Laudan macht besondere Architekur-Fotos in Schwarz-Weiß © Anna Laudan

Lassen Sie sich inspirieren von den kunstvollen schwarz-weißen Architektur-Fotografien von Anna Laudan. In der Nachbearbeitung verleiht Sie Ihren Aufnahmen eine surrealistische Note. Im WhiteWall Magazin können Sie dazu ein spannendes Interview lesen.

Motiv: Mensch und Architektur

Fotografieren Sie Menschen im Kontext der Architektur und dokumentieren Sie das Leben im öffentlichen Raum. Das hat auch den Vorteil, dass Sie Größenverhältnisse verdeutlichen können. Probieren Sie sich an der Street-Fotografie! In unserem E-Book Streetfotografie finden Sie einen übersichtlichen Guide mit vielen Tipps!

Streetfotografie ist ein wichtiger Aspekt der Architektur-Fotografie © Unsplash

 Unsere Motiv-Ideen für Architektur-Fotografie im Freien:

  • Infrastruktur wie Straßen
  • Fassaden
  • Fenster und Türen
  • Prunkvolle Gebäude wie Banken, Museen oder Kirchen
  • Dächer
  • Hochhäuser
  • Skylines
  • Türme
  • abstrakte, moderne Architektur (Gebäude von Architekten und Architektinnen wie Zaha Hadid, Frank Lloyd Wright, Renzo Piano, Lina Bo Bardi, Amanda Levet) 
  • Serien von Stilepochen (z.B. Midcentury Bungalows, Barockschlösser, klassizistische Theater, brutalistische Kirchen, Jugendstil-Hauseingänge)
  • Torbögen oder Pforten, die Ihr Motiv gleichzeitig rahmen
  • Unterführungen und Tunnels

 

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Tipp 8: Innenräume gekonnt fotografieren

In Innenräumen können Sie stilvolle Architektur-Fotos machen © Unsplash

Nicht nur bei schlechtem Wetter lohnt es sich, ein Bauwerk von innen zu betrachten. Innenarchitektur bietet viele faszinierende Details und aufregende Strukturen, um Ihr Auge für Architektur-Fotografie zu schulen.

In einem Gebäude oder Raum müssen Sie genau auf herrschende Lichtverhältnisse achten. Wo sind Lichtquellen wie Fenster, Türen oder Oberlichter? Künstliche Beleuchtung ist fester Bestandteil der Architektur und hilft Ihnen, die Räume auszuleuchten. In der Regel können Sie die ISO-Werte höher stellen, wenn die Räumlichkeiten dunkler sind. Achten Sie auf genügend natürliches Licht. In Innenräumen oder Interieurs, variieren Sie stärker mit Brennweiten. Nicht jeder Raum bietet soviel Platz wie eine Bahnhofshalle. Dementsprechend ergeben sich wieder andere Blendenwerte. Wenn Sie mit geöffneter Blende fotografieren, können Sie Einzelheiten besser herausstellen, indem Sie ein Bokeh kreieren und Details der Innenarchitektur betonen. 
Erhalten Sie noch mehr Tipps zum Thema Interior-Fotografie.

Architektur-Fotografie eignet sich auch für Bahnhofshallen © Unsplash

Unsere Motivideen für Innenaufnahmen:

  • Bibliotheken
  • Treppenhäuser
  • Markthallen
  • Bahnhöfe
  • Museen
  • alte Pracht-Theater oder Kinos
  • verlassene Gebäude wie Fabriken, Bunker, Krankenhäuser oder Schwimmbäder für schaurig schöne Aufnahmen
  • Hotellobbies
  • von innen nach außen fotografieren, z.B. durch eine Scheibe
  • Kirchenschiffe
  • Schlosssäle

 

Eine Treppe in der Bibliothek ist ein dankbares Motiv der Architektur-Fotografie © Unsplash

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Tipp 9: Panoramafreiheit und Rechtslage bei Architektur-Fotografie klären

Wenn Sie im öffentlichen Raum fotografieren und Ihre Bilder veröffentlichen oder zu kommerziellen Zwecken nutzen wollen, gibt es ein paar rechtliche Dinge zu beachten. Es kann notwendig sein, Model oder Property Releases auszufüllen. Gerade, wenn Sie fremde Menschen auf der Straße fotografieren, müssen Sie um deren Erlaubnis bitten. Die Rechtslage in Deutschland ist relativ streng. In anderen Ländern kann sie lockerer sein. Wenn Sie Passanten freundlich ansprechen und sich deren Zustimmung einholen, können Sie das oft unkompliziert regeln. Beachten Sie aber auf jeden Fall das Recht am eigenen Bild!

Schauen Sie vor Ihrer Reise auf eine Karte, auf der die sogenannte Panoramafreiheit eingezeichnet ist. Das ist eine Übersicht mit den rechtlichen Bestimmungen für Fotos von öffentlichen Gebäuden oder Innenräumen. Diese finden Sie zum Beispiel bei Wikipedia. Dann wissen Sie ganz genau, in welchen Ländern Sie Ihre Fotos für welche Zwecke nutzen dürfen.

Erkundigen Sie sich ausführlich, vor allem, wenn Sie Ihre Fotos kommerziell nutzen möchten. Unsere Tipps sind lediglich Hinweise und ersetzen keine Rechtsberatung!

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Tipp 10: Gelungene Architektur-Fotos gebührend präsentieren

Ihre gelungensten Aufnahmen brauchen sich nicht zu verstecken. Zeigen Sie Ihre Reiseandenken stilvoll und gekonnt vor. Gerade, wenn Sie Ihre Architektur-Fotos für professionelle und kommerzielle Zwecke nutzen möchten.

Für Fotos moderner Archtiektur  empfehlen wir, Ihre Abzüge dezent zu rahmen. Präsentieren Sie Ihr Foto in einer ArtBox Alu oder einer ArtBox Holz. Architektur mit klaren Formen kommt so voll zur Geltung. Die ArtBox Alu in Silber oder Schwarz komplementiert zeitgenössische Architektur mit einer sachlichen Formensprache. Die ArtBox aus Holz ergänzt Architektur-Fotos, die natürliche Materialien in den Fokus stellen. Noch zurückhaltender und edel sind Fotos von moderner Architektur als Kaschierung mit Acryl in Slimline. Klassische Architektur dagegen profitiert von einer klassischen Rahmung. Verwenden Sie Passepartoutrahmen, um altehrwürdige Gebäude in Szene zu setzen.

Empfehlung für gerahmte Architektur-Fotografie: ArtBox aus Holz oder Aluminium

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