Das Normalobjektiv: Vorteile der 50 mm Festbrennweite

Von Sabine Hutter - Do, 19.12.2019 - 09:47
Festbrennweiten: Alles Wissenswerte bei WhiteWall.
Eine Festbrennweite von 50 mm darf in keiner Fotoausrüstung fehlen.

Jeder Fotograf – ob Einsteiger oder Profi – braucht eine 50 mm Festbrennweite. Diese provokante Aussage treffen viele erfahrene Fotografen. Doch was ist dran an dem als Normalobjektiv bezeichneten Modell? Erfahren Sie hier, was ein Normalobjektiv eigentlich ist, wofür man es verwendet und warum es gerade für Fotoanfänger ein ideales Instrument zum Lernen und Erfahren ist.

 

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Was ist "normal" am Normalobjektiv?

Das Normalobjektiv ist eigentlich alles – nur nicht Standard, wie der Name vielleicht vermuten ließe. Die Bezeichnung trägt es vor allem wegen seiner Abbildungseigenschaften, die dem menschlichen Sehempfinden relativ nahe kommen. "Normal" ist am Normalobjektiv vor allem, dass es die plastische Wirkung von Gegenständen so wiedergeben kann, wie es das menschliche Auge sieht. Weder zieht es sie in die Länge noch lässt es sie verkürzt und flach erscheinen. 

Das klassische Normalobjektiv. Eine Festbrennweite von 50mm entspricht den Sehgewohnheiten des menschlichen Auges. © Unsplash. Das klassische Normalobjektiv. Eine Festbrennweite von 50 mm entspricht den Sehgewohnheiten des menschlichen Auges.

Deshalb wird das Normalobjektiv als Festbrennweite sehr häufig in der Portraitfotografie eingesetzt (man spricht auch vom Portraitobjektiv), denn menschliche Gesichter werden so realistisch wiedergegeben – weder in die Länge gezogen (wie beim Weitwinkelobjektiv) noch platt (wie beim Teleobjektiv).

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Technische Details zum Normalobjektiv: 50 mm Festbrennweite

Von einem Normalobjektiv spricht man bei einer Festbrennweite von 50 mm. Sie verfügen in der Regel über eine hervorragende Abbildungsleistung und eine enorme Lichtstärke. Die größte Blende (= kleinste Blendenzahl) ist deutlich größer als die von Teleobjektiven. Dementsprechend können Sie selbst bei schlechten Lichtverhältnissen scharfe Fotos machen, ohne ein Stativ dafür zu brauchen.

Die 50 mm Festbrennweite wird überwiegend mit Lichtstärken von 1,8 oder 1,4 vertrieben, aber sogar eine sagenhafte Lichtstärke von 1,2 ist im Handel verfügbar. Wenn man bedenkt, dass Objektive ihre beste Abbildungsleistung im Regelfall zwei bis drei Stufen unterhalb der höchsten Blende erreichen, können Sie oft schon bei einer Blende von 2,8 das Maximum an Schärfe herausholen. Bei einem Teleobjektiv erreicht man die volle Abbildungsleistung oft erst bei einer Blende um 5,6. Dies erklärt auch, warum die Arbeit ohne Stativ beim Teleobjektiv eine echte Herausforderung ist, während Sie bei der Festbrennweite oft sogar frei Hand arbeiten können.

Freihand fotografieren: Mit der Festbrennweite kein Problem. © Unsplash. Locker aus der Hand fotografieren geht mit 50 mm Festbrennweite sehr gut.

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Die Rolle des Sensors: Wie viel sind eigentlich 50 mm Brennweite?

Bei der Bestimmung der Brennweite spielt der in der Kamera verwendete Sensor eine gewichtige Rolle. Schraubt man ein 50 mm Normalobjektiv auf den Objektivanschluss einer Vollformatkamera, entspricht die Brennweite genau 50 mm. Anders sieht es jedoch aus, wenn Sie ein Objektiv mit einer Brennweite von 50 mm an den Objektivanschluss einer Kamera mit einem kleineren Sensor schrauben:

APS-C Sensor

Durch den kleineren Sensor ist der Bildausschnitt des Objektivs an dieser Kamera etwa um ein Drittel kleiner als beim Vollformat. Das Bild wird entsprechend beschnitten (man spricht vom sogenannten Crop-Faktor). Eine 50 mm Festbrennweite entspricht deshalb an einer Kamera mit APS-C Sensor tatsächlich eher einer 70 mm Brennweite und geht damit schon eher in den Bereich eines Teleobjektivs.

MFT Sensor (Micro Four Thirds)

Noch stärker ist dieser Effekt bei einer Systemkamera mit MFT Sensor: Da der Bildausschnitt nur die Hälfte des Vollformats beträgt, entspricht die 50 mm Festbrennweite sogar einer Brennweite von 100 mm und ist hier somit eher als Teleobjektiv zu werten.

Damit müssen Sie sich aber nicht abfinden: Das Geheimnis steckt in der Wahl des Objektivs. Möchten Sie mit kleinerem Sensor mit 50 mm Festbrennweite fotografieren, wählen Sie einfach eine kleinere Brennweite. Beim APS-C Sensor entscheiden Sie sich deshalb einfach für ein Weitwinkelobjektiv mit einer Brennweite von 35 mm. Fotografieren Sie mit einer Kamera mit MFT-Sensor, darf es sogar ein Objektiv mit 25 mm Brennweite sein, um denselben Effekt zu erzielen wie ein 50 mm Normalobjektiv an der Vollformatkamera.

Tipp: Achten Sie beim Kauf eines Normalobjektivs darauf, dass das Modell für den Sensor der Kamera passend ist. Welcher Hersteller es produziert hat, ist hierbei nicht ausschlaggebend. Wichtig ist zudem, dass es zum Objektivanschluss der Kamera passt und gute Abbildungseigenschaften bietet.

 

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Warum eigentlich 50 mm Festbrennweite? Ideal für Bildkomposition

Mit Festbrennweiten erreichen Sie immer ein schönes Bokeh. © Unsplash. Ob ditgital oder analog: Das Normalobjektiv mit 50 mm Festbrennweite macht immer ein schönes Bokeh.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Warum muss es eigentlich für Nahaufnahmen oder Gruppenfotos unbedingt ein Objektiv mit 50 mm Brennweite sein? Diese spezielle Festbrennweite hat einige Vorteile, die sie für jede Fotoausrüstung unverzichtbar machen:

Preis

 Die 50 mm Festbrennweite lässt sich außerordentlich kostengünstig herstellen. Schon für rund 100 bis 150 Euro erhalten Sie hier sehr gute Abbildungseigenschaften mit einer maximalen Blende von 1,4 oder 1,8 oder mit einer etwas größeren Investition sogar von 1,2. Letzteres kommt aber durch die geringe Schärfentiefe mit Vignettierungen und Randunschärfen daher und wiegt recht viel, ist daher für Einsteiger eingeschränkt empfehlenswert.

Licht

Sie können wegen der hohen Lichtstärke auch bei schlechtem Licht ohne Blitz und ohne Stativ fotografieren, was längst nicht nur für Fotoanfänger ein Segen ist. Dabei können Sie mit sehr niedrigen ISO-Werten arbeiten, wodurch sich Bildrauschen auf ein Minimum reduziert.

Schärfentiefe

Durch die sehr geringe Blendenzahl können Sie eine sehr geringe Schärfentiefe erreichen. Dadurch lässt sich Ihr Motiv in der Aufnahmeebene sehr gut freistellen, was sich bei Portraits ebenso bezahlt macht wie bei Naturaufnahmen (Stichwort: Bokeh).

 Verzerrung

Da die Abbildungsverhältnisse des Motivs nach den tatsächlichen Gegebenheiten wiedergegeben werden, findet durch das Portraitobjektiv keine Verzerrung statt.

Flexibilität

An und für sich ist eine Festbrennweite eher unflexibel, da Sie nicht zoomen können und somit die Aufnahmeebene nur durch Verringerung des Abstands näher heranziehen können. Flexibel ist die 50 mm Festbrennweite aber wiederum, weil es durch die fehlende Verzerrung sowohl für die Portraitfotografie und Nahaufnahmen als auch für Gruppenfotos genutzt werden kann.

Ideal für Porträts:Festbrennweite 50 mm. © Unsplash. Portraitklassiker Festbrennweite : So konzentrieren Sie sich immer auf das Wesentliche.

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Ideale Brennweite für Fotoanfänger: Arbeiten mit dem Hauptmotiv

Der größte Vorteil für Einsteiger ist der Zwang, sich bei diesem Objektiv entscheiden zu müssen: Sie bekommen nämlich durch den Bildausschnitt meist nicht alles aufs Bild. Sie müssen sich auf Ihr Hauptmotiv konzentrieren. Statt ständig am Zoomobjektiv zu drehen, sind Sie gezwungen, ein Gefühl für die perfekte Bildkomposition, den richtigen Abstand und die ideale Perspektive zu entwickeln. Und genau das sind die Faktoren, die später den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Foto ausmachen.

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