Teleobjektive: Kleiner Bildausschnitt, große Wirkung

Von Sabine Hutter - Di, 17.12.2019 - 14:41
Teleobjektive holen Landschaft und Tiere ganz nah heran.
Mit einem Teleobjektiv bekommen Sie alles ganz nah vor die Linse.

Das Teleobjektiv ist die ideale Ergänzung Ihrer Fotoausstattung, wenn Sie mehr aus Ihrer Kamera herausholen möchten und bereits an die Grenzen des Normalobjektivs gestoßen sind. Doch was macht ein Teleobjektiv eigentlich und wofür benötigt man es? Erfahren Sie hier, wie Sie diese spezielle Art des Objektivs richtig einsetzen.

 

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Was ist ein Teleobjektiv?

Als Teleobjektiv bezeichnet man all jene Objektive, die im Vergleich zum Normalobjektiv eine längere Brennweite und zugleich einen kleineren Bildwinkel aufweisen. Typische Eigenschaften des Teles sind:

  •  Ähnlich wie ein Fernglas holt es ein weit entferntes Motiv näher heran und bildet es vergrößert ab. So können Sie diese dennoch mit hoher Bildqualität fotografieren.
  •  Je größer die Brennweite des Objektivs ausfällt, desto geringer ist die Schärfentiefe und desto mehr Verzerrung tritt in den Randbereichen auf. Das bedeutet: Nur das im Fokus der Kamera stehende Motiv wird scharf abgebildet – der Hintergrund weist eine geringe Schärfentiefe auf. Teleobjektive werden deshalb gerne als stilistisches Mittel zur Ausblendung des Hintergrunds (Bokeh) genutzt.
  • Der Bildwinkel der Kamera ist geringer und liegt je nach Brennweite bei 2° bis 28°. Zum Vergleich: Beim Normalobjektiv liegt er bei rund 53°.
  • Das Tele ermöglicht es Ihnen, aus größerer Entfernung Details mit hoher Abbildungsleistung zu fotografieren, was sich nicht nur in der Makrofotografie, sondern auch in der Tier-, Landschafts- und Sportfotografie bezahlt macht.
  • Beim Teleobjektiv ist die Gefahr relativ groß, dass die Bilder verwackeln.
  • Im Regelfall handelt es sich bei einem Tele um ein Wechselobjektiv, das an der Kamera anstelle des Normalobjektivs eingesetzt werden kann.

 

Teleobjektive am besten auf einem Stativ sichern gegen Verwackler. © Unsplash. Teleobjektive sichern Sie am besten auf einem Stativ gegen Verwacklungen.

Schon gewusst? Bei einem Fernobjektiv handelt es sich ebenfalls um ein Objektiv mit einer langen Brennweite. Allerdings ist das Fernobjektiv in der Bauform deutlich länger als ein Tele. Während beim Teleobjektiv nämlich mehrere Linsen eingesetzt werden, um die Baulänge zu verringern, entspricht die Länge des Objektivs beim Fernobjektiv beinahe der Brennweite – es kommt ein Ein-Linsen-System zum Einsatz. Der Vorteil des Fernobjektivs liegt in der günstigen Anschaffung bei dennoch guter Bildqualität, wobei lichtstarke Ausführungen nicht erschwinglich sind.

 

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Arten von Teleobjektiven: Für jeden Einsatz das richtige Tele

Von Teleobjektiven spricht man bereits ab einer Brennweite von 60 bis 80 mm – diese Spanne reicht bis hin zu Superteleobjektiven mit 2.000 mm. Je nach Einsatzzweck kommen unterschiedliche Brennweitenbereiche in Frage:

  • Portraitobjektive: Bei einer Brennweite von 80 bis 105 mm (Kleinbildformat), Bildwinkel ca. 24 bis 28° spricht man häufig von einem Portraitobjektiv. Dabei handelt es sich um Festbrennweiten, die zwar bereits eine verringerte Schärfentiefe, aber so gut wie keine Verzerrung aufweisen. So können Sie Personen mit hoher Abbildungsleistung ablichten, ohne sie flach wirken zu lassen. Ein Stativ brauchen Sie nur bei schlechten Lichtverhältnissen.
  • Teleobjektive: Das Standardteleobjektiv liegt zwischen 135 und 200 mm (Kleinbildformat), der diagonale Bildwinkel liegt dann bei 12,3° bis 18°. Dieses Tele ist der ideale Allrounder für die Reise- und Naturfotografie und ist für mehr Flexibilität häufig als Zoomobjektiv ausgeführt. Sie sollten bei diesem Teleobjektiv nur ohne Stativ arbeiten, wenn die Lichtverhältnisse sehr gut sind.
  • Superteleobjektive: Ab einer Brennweite ab 200 mm spricht man von einem Superteleobjektiv (Bildwinkel ca. 2° bis 12,3°). Dieses macht sich dann bezahlt, wenn man aus großer Entfernung fotografiert (z. B. in der Tierfotografie für Tiere mit großer Fluchtdistanz) oder für Aktionsfotos in der Sportfotografie. Sie sind meist sehr groß und schwer, weshalb sie unbedingt abgestützt werden sollten.

 

Mit einem Teleobjektiv bekommen Sie auch scheue Waldebwohner vor die Linse. © Unsplash. Mit einem Teleobjektiv gelingen diese Aufnahmen von Tieren mit großer Fluchtdistanz wie Rehen.

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Welche Rolle spielt die Lichtstärke für das Teleobjektiv?

Durch die hohe Brennweite ist das Objektiv sehr anfällig für Verwacklungen. Schon in einem Brennweitenbereich von 200 bis 300 mm wird es schwierig, ohne Stativ mit hoher Bildqualität zu fotografieren. Je größer die Brennweite ist, desto wichtiger wird eine hohe Lichtstärke. Andernfalls machen sich Linsenfehler stärker bemerkbar. 
Eine hohe Lichtstärke ermöglicht kurze Belichtungszeiten und verringert somit die Gefahr von Verwacklungen, sie erhöht aber auch den Anschaffungspreis. Je kleiner die Brennweite ist, desto weniger entscheidend ist die Lichtstärke für die Fotografie, denn dann können Sie auch bei schlechteren Lichtverhältnissen noch gute Ergebnisse erzielen.
Für Einsteiger empfiehlt sich ein Tele mit geringerer Brennweite, da dieses mit weniger Lichtstärke auskommt und somit deutlich günstiger in der Anschaffung ist. Solche Einsteiger-Teleobjektive gibt es von allen gängigen Objektiv-Herstellern, ob Canon, Nikon, Sigma oder Tamron.

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Kauf eines Teleobjektivs: Darauf sollten Sie achten

Wenn Sie sich ein Teleobjektiv anschaffen möchten, sollten Sie beim Kauf neben der Lichtstärke auf diese Themen achten:

  • Ein Bildstabilisator gleicht kleine Bewegungen der Hände beim Fotografieren aus, sodass Sie einfacher ohne Stativ fotografieren können. Er ist aber auch eine teure Ausstattung des Objektivs.
  • Achten Sie darauf, für welche Art von Kamera das Objektiv geeignet ist. Gemeint ist damit einerseits der Hersteller, andererseits aber auch die Kompatibilität zu Vollformat oder Kleinbildformat.
  • Ob eine Festbrennweite oder ein Zoomobjektiv die richtige Wahl ist, hängt vom Einsatz ab: Müssen Sie flexibel agieren, ist das Zoomobjektiv eine gute Wahl. Fotografieren Sie mit ausreichend Zeit, um sich exakt zu positionieren (z. B. Portraitfotografie), hat die Festbrennweite die Nase vorn.
  • Achten Sie auf Größe und Gewicht des Teleobjektivs, denn je größer es ist, desto unhandlicher wird es und desto wichtiger ist ein Stativ.

 

So holen Sie das Stadtpanorama ganz dicht ran: mit einem Teleobjektiv. © Unsplash. Die weite Aussicht, das Stadtpanorama wird nah heran geholt mit dem richtigen Teleobjektiv.

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Richtiger Umgang mit dem Teleobjektiv – was beachten?

Diese Tipps unterstützen Sie dabei, aus Ihrem Teleobjektiv und Ihrer Kamera die besten Ergebnisse herauszuholen:

  • Wenn Sie mit einem Stativ arbeiten, schalten Sie den Bildstabilisator besser ab.
  • Nutzen Sie kurze Verschlusszeiten, um Wackler zu vermeiden.
  • Stützen Sie sich ab, um die Arme zu stabilisieren, oder legen Sie die Kamera ab (z. B. auf einer Mauer).
  • Halten Sie sich an die Kehrwertregel: Wählen Sie hierzu eine Verschlusszeit, deren Kehrwert der Brennweite des Teles entspricht, also z. B. bei 200 mm eine Verschlusszeit von 1/200 Sekunde.
  • Achten Sie darauf, dass der Fokus exakt auf Ihren Motiv liegt – beim Tele ist das deutlich wichtiger als beim Normalobjektiv.
  • Wählen Sie den Brennweitenbereich mit Bedacht – häufig besteht die Möglichkeit, näher an das Motiv heranzutreten. Dies vereinfacht es enorm, eine hohe Abbildungsleistung zu erreichen.
  • Möchten Sie in der Sportfotografie Bilder in Bewegung schießen, wählen Sie ein lichtstarkes Objektiv. Ansonsten sollten Sie sich auf Bewegungsunschärfe einstellen. 

 

In der Sportfotografie unumgänglich: Teleobjektive © Unsplash. In der Sportfotografie unabkömmlich: Teleobjektive.

Ein Teleobjektiv ist eine echte Bereicherung für jeden Fotografen. Wählen Sie das gewünschte Modell mit Bedacht und passend zu Ihrer Kamera. So erreichen Sie einen größeren Arbeitsabstand, detaillierte Aufnahmen mit unscharfem Hintergrund und spannende Aufnahmen mit kleinem Bildwinkel und hoher Abbildungsleistung.

 

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