Tiefenschärfe: Das Spiel mit Schärfe und Unschärfe

Von Sabine Hutter - Mi, 22.01.2020 - 12:30
Für Potraits eignet sich das Spiel aus Schärfe und Unschärfe besonders.
© Unsplash | Portraits strahlen mit den richtigen Einstellungen für Tiefenschärfe.

Fotos decken von Natur aus nur zwei Dimensionen ab. Mit dem durchdachten Einsatz von Tiefenschärfe können Sie aber dennoch eine Tiefenwirkung erschaffen, die Fotos lebhaft und bewegend wirken lässt. Man spielt dabei gezielt mit scharfen und unscharfen Bereichen, um eine spannende Wirkung zu erzielen. Mit einer geringen Schärfentiefe lässt sich das Motiv vom Hintergrund abheben und in den Mittelpunkt stellen.

 

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Was versteht man unter Tiefenschärfe?

Mit der Tiefe eines Fotos meint man den Bereich, der hinter Ihrem gewünschten Motiv liegt. Bei einem Portrait könnte das beispielsweise das Gras sein, das man im Hintergrund sieht. Oder bei der Aufnahme eines Waldtieres die Bäume dahinter. Der Begriff der Tiefenschärfe beschreibt, wie scharf der Hintergrund dargestellt wird:

  • Hohe Schärfentiefe: Das Objekt wird sehr scharf abgebildet und auch der Hintergrund ist scharf (z. B. eine Landschaftsaufnahme, auf der alle Details gut erkennbar sind).
  • Geringe Schärfentiefe: Das Motiv ist bei der geringen Schärfentiefe ebenfalls scharf, das Umfeld hingegen ist deutlich unschärfer oder je nach gewünschtem Effekt sogar vollkommen verschwommen (man spricht von einem kleinen Schärfebereich).

 

Tiefenschärfe und Schärfentiefe bezeichnen den gleichen Effekt.
© Unsplash | Immer schön im Fokus bleiben : Wenn Sie die Tiefenschärfe beachten.

Grundsätzlich ist zu bemerken, dass jedes Foto im Grunde genommen nur einen Punkt besitzt, an dem es wirklich scharf ist. Für das menschliche Auge sieht allerdings auch der Bereich im näheren Umkreis scharf aus. Wie groß dieser Schärfebereich ist, hängt davon ab, wieviel Tiefenschärfe das Foto besitzt. Die Schärfe stuft sich Schritt für Schritt ab, je weiter sich der Blick vom Schärfepunkt entfernt.

Tipp: Besonders harmonisch wirken Fotos, bei denen etwa ein Drittel des unscharfen Bereichs im Vordergrund liegt. Das erreichen Sie, indem Sie den Fokus nicht auf den am nächsten liegenden Bereich legen, sondern dahinter.

 

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Wie die Schärfentiefe in der Fotografie wirkt

Mit der Tiefenschärfe können Sie in der Fotografie ganz unterschiedliche Wirkungen erzielen. Sie eignet sich aber nicht für jede Art der Fotografie:

  • Straßenfotografie: In der Straßenfotografie verwenden Sie meist eher eine hohe Schärfentiefe, da Sie nicht nur eine einzelne Person, sondern eine ganze Situation mit ihrer Stimmung einfangen wollen.
  • Portraitfotografie: Um bei Portraits das Gesicht hervorzuheben, wählt man gerne als stilistisches Mittel eine geringe Tiefenschärfe.
  • Landschaftsfotografie: Auch bei Landschaften bietet sich eine hohe Schärfentiefe an, denn die Tiefe wird durch die großen Abstände auf natürliche Weise geschaffen.
  • Sportfotografie: Wo schnelle Bewegungen im Spiel sind, ist eine hohe Tiefenschärfe angeraten.
  • Makrofotografie: Eine geringe Schärfentiefe sorgt für wundervolle Effekte und rückt das Objekt ins Zentrum. Es entsteht der sogenannte Bokeh-Effekt – der Hintergrund verschwimmt und wird oftmals nur noch durch Lichtpunkte dargestellt.

 

Tolle Effekte, wenn Sie Ihr Objekt freistellen. Schärfentiefe macht es möglich. © Unsplash | Ein Objekt freistellen bedeutet, die Schärfentiefe möglichst gering zu halten.

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Fünf Faktoren, die die Tiefenschärfe beeinflussen

Es lassen sich fünf Faktoren unterscheiden, über die Sie die Schärfentiefe Ihrer Fotos beeinflussen können:

#1 Die Größe des Bildsensors

Die Größe des Bildsensors ist ein entscheidender Faktor für die Schärfentiefe. Je größer der Sensor ist, desto mehr Möglichkeiten haben Sie, Ihre Fotos über eine gezielte Unschärfe im Hintergrund kreativ zu gestalten. Mit einer Vollformatkamera oder einem APS-C-Sensor können Sie sehr einfach eine geringe Schärfentiefe realisieren. Nur eingeschränkt möglich ist dies hingegen bei Kompaktkameras oder Smartphones mit einem kleinen Bildsensor – hier erscheinen alle Bereiche im Foto scharf und das Bild kann mitunter "flach" und leblos wirken.

#2 Die Brennweite

Je größer die Brennweite ist, desto geringer ist die zu erzielende Tiefenschärfe. Man kann also sagen, dass es beispielsweise mit einem Teleobjektiv mit einer Brennweite von 135 mm deutlich einfacher ist, das Objekt freizustellen, als mit einem Weitwinkelobjektiv mit einer Brennweite von 35 mm. Benötigen Sie eine hohe Schärfentiefe (z. B. bei einem Gruppenfoto, wählen Sie besser ein Objektiv mit Weitwinkel.Dies ist allerdings nicht absolut zu sehen – bei richtiger Einstellung der Blende können Sie auch mit einer kleinen Brennweite eine geringere Schärfentiefe erreichen oder beim Tele einen großen Schärfebereich. Dazu gleich mehr.

#3 Die Blende

Je weiter die Blende geöffnet ist (je niedriger also die Blendenzahl ist), desto geringer ist die daraus resultierende Tiefenschärfe. Und hier haben wir auch gleich den Faktor, der den Unterschied macht, ob das Motiv mit einem Teleobjektiv freigestellt wird oder nicht:

  • Öffnet man die Blende weit, so entsteht eine geringe Tiefenschärfe.
  • Wird die Blende nur wenig geöffnet (wenig Lichteinfall), so erscheint ein Großteil des Fotos scharf.
  • Wichtig zu wissen: Der Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe tritt umso mehr zu Tage, je größer die Brennweite ist. Die Schärfe lässt sich somit beim Weitwinkelobjektiv deutlich weniger über die Blende beeinflussen als beim Teleobjektiv.

 

#4 Die Entfernung zum Objekt

Auch die Entfernung zum Objekt ist ein entscheidender Faktor für die Schärfentiefe. Je näher Sie sich an Ihrem Motiv befinden, desto unschärfer erscheint das Umfeld. Diese Tatsache können Sie sich auch zu Nutze machen, wenn Sie mit einem Weitwinkelobjektiv oder einem kleinen Sensor fotografieren.

#5 Die Entfernung zwischen Motiv und Hintergrund

Interessante Unterschiede ergeben sich auch durch den Unterschied zwischen Motiv und Hintergrund: Ist das Objekt weit von der Umgebung entfernt (z. B. eine Person steht auf einer Wiese, 100 Meter von einem Wald entfernt), so erscheint dieser unscharf. Befindet es sich näher am Hintergrund, so wird die Umgebung immer schärfer (z. B. die Person steht nur 20 Meter vom Wald entfernt).

Tiefenschärfe zaubert schöne Portraits, auch für pelzige Modelle. © Unsplash | Mit einer weit geöffnetet Blende verschwimmt der Hintergrund sahneweich. Die Tiefenschärfe ist ganz gering.

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Einstellungen der Kamera: So erreichen Sie Tiefenschärfe

Um die Schärfentiefe an der Kamera einzustellen, arbeiten Sie vor allem mit der Blende. Dadurch kann es allerdings auch erforderlich werden, die Belichtungszeit und den ISO-Wert zu verändern. Wählen Sie beispielsweise eine große Blendenzahl (z. B. f/16), ist die Blende nur wenig geöffnet. Da wenig Licht auf die Linse trifft, benötigen Sie entweder eine längere Belichtungszeit und/oder einen höheren ISO-Wert. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Foto verwackelt wird.

Tipp: Für Ungeübte ist es schwierig, alle drei Werte gleichzeitig einzustellen. Verwenden Sie alternativ den Blendenpriorität-Modus (an der Kamera mit "A" oder "AV" bezeichnet). Nun können Sie zwar die Blende manuell einstellen, die Kamera kümmert sich aber automatisch darum, die ideale Belichtungszeit zu wählen.

Arbeiten Sie auch mit Tiefenschärfe für Landschaften, das wirkt sehr plastisch! © Unsplash | Auch für Landschaftsaufnahmen können Sie mit der Schärfentiefe arbeiten. Die unscharfen Details im Vordergrund geben dem Bild mehr Tiefe.

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Das Wichtigste: Schärfentiefe mit dem richtigen Maß

Hat man die Schärfentiefe erst einmal für sich entdeckt, würde man die tolle Optik am liebsten in jedem Foto umsetzen. Bedenken Sie aber: Die Arbeit mit der Schärfe und Unschärfe ist Mittel zum Zweck – nämlich das eigentliche Motiv perfekt abzulichten – und nicht der Zweck selbst. Streuen Sie es immer wieder ein, um für Abwechslung zu sorgen. Halten Sie aber Maß und übertreiben Sie es nicht.

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