Makrofotografie

Von WhiteWall Redaktion - Mi, 31.10.2018 - 00:32

Viel Platz für kleine Motive

Enzian

Punktierter Enzian: Dieser Punktierte Enzian (Gentiana punctata) stand so an einem Hang, dass mit Hilfe eines Stativs ein Panorama angefertigt werden konnte, das die Pflanze in ihrer Umgebung zeigt.
Info: OM-2 von Olympus mit Zuiko Auto-Makro 1:3,5/50 mm | 1/250 sek bei Blende 5,6 | manuelle Scharfeinstellung | Stativ mit Panoramakopf | zusammengesetzt aus drei Hochformataufnahmen

Größere Blumen und solche, die sich über das sie umgebende Gras erheben, bieten sich besonders an, um die Pflanze in der Normalsicht zu fotografieren und sie damit innerhalb ihrer Umwelt zu zeigen. Die Pflanze bildet dabei den Vordergrund in einer sich weit dahinter befindlichen Landschaft. Zu diesem Zweck bieten sich bei kleineren Pflanzen besonders Makroobjektive mit kurzer Brennweite an. Bei etwas größeren Pflanzen können allerdings auch Weitwinkelobjektive eingesetzt werden. Das Teleobjektiv hat in der Regel den Nachteil, dass der Hintergrund zu stark verschwimmt. Einen besonderen Effekt können Sie erzielen, wenn Sie die Pflanze zusammen mit ihrer Umgebung im Panoramaformat zeigen. Aber auch die Aufnahme einer besonders hochgewachsenen Pflanze kann im Panoramaformat interessant sein. Diese Art der Fotografie ist in den letzten Jahren immer populärer geworden, seitdem es immer mehr bezahlbare Software gibt, mit der Sie ein Panorama aus mehreren Einzelbildern zusammensetzen können.

Panoramakopf

Ein Panoramakopf ermöglicht das Drehen der Kamera, während die Eintrittspupille des Objektivs exakt über der Drehachse sitzt. Bei diesem Modell kann die Kamera horizontal ausgerichtet werden und dabei sowohl im Hochals auch im Querformat verwendet werden (Bild: Novoflex).

Panoramakopf

Die Ausrüstung

Um ein Makropanorama anzufertigen, benötigen Sie neben der Kamera mit einem Makroobjektiv ein Stativ mit einem Panoramakopf. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie verwenden Sie einen Panoramakopf, der es erlaubt, die Kamera nur im Querformat anzubringen, oder einen Panoramakopf, der die Anbringung sowohl im Hoch- als auch im Querformat ermöglicht. Beiden Panoramaköpfen ist gemein, dass sich die Eintrittspupille des Objektivs direkt über der Drehachse positionieren lässt. Dies ist besonders wichtig, da ansonsten Parallaxenfehler zwischen den einzelnen Aufnahmen eines Panoramas entstehen. Solche Fehler sind zwar bei ins Unendliche gehenden Panoramen meist nur gering, aber bei einem Panorama im Nahbereich sind sie oft so groß, dass jedes Zusammenfügen der Bilder unmöglich wird.

Kamera ausrichten

Von vorne richtig über der Drehachse positionierte Kamera

Kamera ausrichten

Kamera ausrichten

Die Grundvoraussetzung für das Anfertigen des Panoramas ist die absolut waagerechte Ausrichtung des Panorama-Drehtellers (2), auch dann, wenn Sie ein senkrechtes Panorama anfertigen möchten. Ansonsten kippt die Aufnahmeserie zu einer Seite. Dies können Sie normalerweise anhand einer eingebauten (5) oder mit Hilfe einer aufsteckbaren Libelle (3) prüfen. Eine optimale Ausrichtung der Kamera ist sehr wichtig, damit Sie das Panorama nicht versehentlich schräg aufnehmen. Nun montieren Sie die Kamera auf den Panoramakopf. Dabei positionieren Sie zunächst die Kamera mittig über der Drehachse, indem Sie einen L-förmigen Winkel (4) verschieben. Dies können Sie einfach überprüfen, indem Sie ein Lot an das Objektiv halten – ich verwende einfach einen Bindfaden mit einem Metallgewicht (z. B. einem Nagel), den ich mit Tesafilm an der von vorne gesehen höchsten Stelle des Objektivs befestige. Nun schieben Sie die Kamera so weit vor beziehungsweise zurück, bis sich die Eintrittspupille des Objektivs direkt über der Drehachse befindet. Dieser Vorgang muss sehr exakt erfolgen! Daher haben die meisten Panoramaköpfe einen Einstellschlitten (1). Sind die Einstellungen am Panoramakopf einmal bekannt, so sollten Sie sich die Werte aufschreiben oder eine Markierung am Panoramakopf anbringen, damit Sie on location nur noch die Kamera montieren müssen.

Hinweis

Diese Prozedur muss tatsächlich bei möglichst dem Abbildungsmaßstab erfolgen, der auch später verwendet wird, da sich die Brennweite des Objektivs beim Fokussieren ändert. Bei Objektiven, die ihre Baulänge während des Fokussierens ändern, sind die Veränderungen in den Einstellungen in der Regel deutlicher.

Panoramakopf einrichten

Panoramakopf einstellen

Die optimale Einstellung finden Sie, indem Sie bei dem zu erwartenden Abbildungsmaßstab zwei vertikale Motive (zum Beispiel zwei Nägel), die in einigen Zentimetern Abstand voreinander weg stehen, zur Deckung bringen, während Sie die Kamera schwenken. Dabei sollten sich die Nägel nicht nebeneinander, sondern aus Sicht der Kamera hintereinander befinden. Zunächst schwenken Sie die Kamera so, dass die beiden Nägel nahe am linken Bildrand zu sehen sind. Nun bringen Sie die beiden Nägel zur Deckung, indem Sie einen von ihnen verschieben (1). Anschließend schwenken Sie die Kamera so, dass die Nägel am anderen Bildrand zu sehen sind (3). Beim ersten Versuch (2) hat sich die Position der beiden Nägel relativ zueinander verändert – sie sind nicht mehr deckungsgleich. Nun fahren Sie die Kamera vor und zurück, bis die Nägel deckungsgleich sind (3). Diese Vorgehensweise wird nach einem Schwenk auf die andere Bildseite wiederholt, bis sich die relative Lage der beiden Nägel beim Schwenken der Kamera nicht mehr ändert (4). Notieren Sie sich Ihre Einstellungen, beziehungsweise markieren Sie sie auf dem Panoramakopf.

Aufnahmen anfertigen

Nachdem Sie die Kamera vor Ort montiert und eingestellt haben, ermitteln Sie zunächst die Durchschnittsbelichtung der Szene. Hierzu schwenken Sie die Kamera so, als wollten Sie die Einzelaufnahmen für das Panorama anfertigen. Beobachten Sie dabei den Belichtungsmesser. Im Nah- und Makrobereich sind die Unterschiede in der Belichtung meist nur gering, so dass Sie bedenkenlos den Mittelwert der beobachteten Belichtungswerte einstellen können. Hierzu wählen Sie an der Kamera den und die Belichtungszeit ein. Nur in Ausnahmefällen müssen Sie sich für einen bestimmten Belichtungswert entscheiden. Dies ist immer dann der Fall, wenn in einer Aufnahme eine sehr helle Lichtquelle, wie die Sonne, zu sehen ist. Solche Aufnahmen sollten nicht für die Mittelwertbildung herangezogen werden. Daher kann es hilfreich sein, bei jeder Aufnahme eine Belichtungsreihe mit beispielsweise 3 Bildern anzufertigen. Die drei daraus erzeugten Panoramen können dann mit dem DRI-Verfahren zusammengefügt werden. Nun fertigen Sie die Fotos so an, dass zwischen den Aufnahmen eine Überlappung von circa 10 % je Seite besteht. Je nach Ausrichtung des Panoramas wird entweder über den Drehteller gedreht oder der Arm für die Einzelreihen (6) entsprechend bewegt.

Tulpen vertikal

Für einen Banner in einem vertikalen Panoramaformat benötige ich eine sehr große Tulpenaufnahme, die später in einer Größe von etwa 2 m gedruckt werden soll. Da die Betrachter relativ nah an das Motiv herangehen können sollen, soll auch bei genauer Bildbetrachtung die volle Auflösung zur Verfügung stehen. Daher entscheide ich mich für ein vertikales Panorama, wobei ich die Einzelaufnahmen im Querformat anfertigen werde – dies erlaubt mir eine besonders hohe Auflösung.

1. Aufnahmen zusammenfügen

Das Zusammenfügen der Aufnahmen kann mit spezieller Software wie beispielsweise Autopano Pro (www.autopano.net) oder der Freeware Hugin (https://hugin.sourceforge.net) erfolgen, die beide sehr hochwertige Panoramen erzeugen und daher die erste Wahl sind, wenn Sie häufiger Panoramen erstellen möchten. In einfachen Fällen können Sie zum Zusammenfügen der Einzelaufnahmen auch die Funktion PHOTOMERGE von Adobe Photoshop CS5 verwenden. Starten Sie hierzu die Funktion PHOTOMERGE über DATEI • AUTOMATISIEREN • PHOTOMERGE. Im nun erscheinenden Dialog wählen Sie die Fotoserie des Panoramas durch einen Klick auf DURCHSUCHEN (6) aus. Anschließend starten Sie den Prozess durch Anklicken der Schaltfläche OK (5). Nun öffnet Photoshop die Bilder und fügt sie in einem neuen Dokument mit mehreren Ebenen zusammen.

Display

2. Bild optimieren

Das fertige Bild besteht in diesem Beispiel aus vier Ebenen, da das Panorama aus vier Bildern besteht. Nun können Sie jede einzelne Ebene in ihrer Farbe und Belichtung korrigieren. Dies sollte jedoch nicht nötig sein, wenn Sie alle Bilder mit der gleichen Belichtung aufgenommen haben. Reduzieren Sie nun die Ebenen auf die Hintergrundebene. Rufen Sie hierzu das Kontextmenü der Ebenenpalette durch einen Klick in die rechte obere Ecke (1) der Ebenenpalette auf, und wählen Sie Auf Hintergrundebene reduzieren (2). Schließlich optimieren Sie noch den Ausschnitt mit dem Freistellungswerkzeug (3) – und fertig ist Ihr erstes Makropanorama.

Tulpen vertikal

Dieses Panorama wurde mit der beschriebenen Methode aus vier Einzelaufnahmen zusammengesetzt.
Info: Nikon D3x mit AF Micro NIKKOR 60 mm 1:2,8D | 1/500 sek bei Blende 4 | manuelle Scharfeinstellung | Stativ mit Panoramakopf VR-System PRO II von Novoflex | Abbildungsmaßstab 1:10

Tulpe_1 Tulpe_2 Tulpe_3 Tulpe_4

Die Jumbo-MBS-Halterung erlaubt die parallaxefreie Vershiftung, so dass schnell und effektiv Makropanoramen mit geeigneten Tilt- und Shift-Objektiven möglich werden.

Makrokamera

Makropanorama mit Einstellschlitten oder Tilt- und Shift-Objektiven

Häufig findet man den Rat, bei Panoramen im Nah- und Makrobereich einfach den Einstellschlitten zu verwenden und die Kamera mit diesem parallel zum Motiv zu verschieben. Dieses Verfahren funktioniert jedoch ausschließlich bei flächigen Szenen, in denen keine Dreidimensionalität vorhanden ist und damit keine Motivteile überlappen. Sind dreidimensionale Elemente enthalten – wie in obigem Beispiel – so führt jede Verschiebung der Kamera zu einer Änderung der relativen Lage zwischen Motiv und Eintrittspupille. Man erzeugt so also eine Parallaxe, und die Einzelbilder sind nicht mehr Deckungsgleich. Dieses Verfahren ist daher nicht allgemein anwendbar! Es gibt jedoch eine einfache Möglichkeit, um ein Makropanorama anzufertigen: mit einem Objektiv mit Tilt- und Shift-Funktion. Zur Erzeugung der Einzelaufnahmen verwendet man die Shift-Funktion und fertigt damit zwei oder drei überlappende Aufnahmen an. Dabei muss freilich das Objektiv fest stehen und darf sich nicht bewegen – sonst schlägt wieder die Parallaxe zu, und die Bilder sind nutzlos! Daher gibt es auch Halterungen für Tilt- und Shift-Objektive, bei denen das Objektiv stillsteht und die Kamera »verschoben« wird.

Margeriten

Margeriten vor Bergkulisse: Dieses Panorama wurde mit der in diesem Workshop beschriebenen Methode aus drei Einzelaufnahmen zusammengesetzt.
Info: Olympus OM2 mit Zuiko Auto-Makro 1:2/50 mm | 1/125 sek bei Blende 8 | manuelle Scharfeinstellung | Stativ mit Panoramakopf