Makroobjektive: Wissen von A bis Z rund ums Makro

Von Sabine Hutter - Do, 24.10.2019 - 15:52
Nah, näher, Makroobjektive. Mit den richtigen Makroobjektiven bekommen Sie tolle Details vor die Linse.

Es ist nicht leicht, den Überblick zu behalten bei der Vielzahl der erhältlichen Makroobjektive. Für welche Art der Fotografie Sie Makroobjektive brauchen, wie sie funktionieren und was sie können, erfahren Sie bei uns. Schon einmal vorweg sei verraten: Bei einem Makroobjektiv handelt es sich um ein Wechselobjektiv, das speziell für den Nahbereich gemacht ist. So lassen sich selbst kleine Objekte formatfüllend aufnehmen und feinste Details werden erkennbar.

 

Nach oben

Wie funktioniert ein Makroobjektiv?

Ein Makroobjektiv ist grundsätzlich ähnlich aufgebaut wie ein normales Kameraobjektiv – in seinem Inneren finden sich ebenfalls Linsen, deren Ausrichtung über das Ergebnis der Fotografie entscheidet.  Zum Einsatz kommen mehrere Linsengruppen, deren Abstände sich fließend verändern. Allerdings achtet der Hersteller hierbei speziell darauf, dass die Bildfeldwölbung nur sehr gering ist und wenig Verzeichnung auftritt.

Der wichtigste Unterschied zu herkömmlichen Kameraobjektiven liegt im Abbildungsmaßstab: Während dieser beim Standard-Objektiv bei 1:7 bis 1:9 beträgt, liegt er beim Makro üblicherweise bei 1:1 (oder manchmal auch 1:2). Dies bedeutet, dass ein Objekt, das 1 cm groß ist, auf dem Sensor mit einer Größe von 1 cm erfasst wird. Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:7 würde es auf dem Sensor mit einer Größe von 7 cm erfasst.

Eine Makroaufnahme einer Kamera. Mit einem Makroobjektiv erstellt.© Unsplash. Erfassen Sie auch kleinste Details mit dem richtigen Makroobjektiv.

Die Besonderheit des Abbildungsmaßstabs von 1:1 besteht darin, dass Sie das Objekt am Rechner um ein Vielfaches vergrößern können. So lässt sich beispielsweise ein Schmetterling in höchster Schärfe und tiefstem Detailgrad scharf auf ein großes Wandbild drucken.

Schon gewusst? Im Zusammenhang mit Makros spricht man oft von der Naheinstellgrenze. Damit meint man den mindestens erforderlichen Abstand zwischen dem zu fotografierenden Objekt und der Sensorebene, in dem man es noch scharf abbilden kann (bei einem kürzeren Abstand ist es nicht mehr möglich, scharf zu fokussieren).

 

Nach oben

Brennweite bei Makroobjektiven: Von 50 bis 200 mm

Bei Makroobjektiven handelt es sich in den meisten Fällen um Festbrennweiten, die sich nicht durch Zoomen anpassen lassen. Makroobjektive unterscheiden sich durch ihre Brennweite. Wählen Sie das Makro anhand des gewünschten Einsatzzwecks der Makrofotografie aus . Auch wenn es natürlich zahlreiche Zwischenstufen gibt, bieten die meisten Hersteller Makroobjektive in drei verschiedenen Brennweiten-Bereichen an:

  •  50 bis 60 mm Brennweite: Mit diesem Makroobjektiv können Sie problemlos wundervolle Aufnahmen von Objekten machen, an die Sie ganz nahe heran gehen können. Für Makrofotos von Blumen ist es beispielsweise eine gute Wahl. Schwierig wird es allerdings bei Tieren, die eine Fluchtdistanz haben. Sie müssen relativ nah ans Motiv heran – das Tier könnte dann aber flüchten. Ein weiterer Nachteil: Durch die Nähe kann ein unerwünschter Schatten entstehen, der es Ihnen schwerer macht, scharfe Fotos zu schießen. Was viele nicht wissen: Ein 50 bis 60 mm Makro lässt sich auch hervorragend in der Portraitfotografie einsetzen, besonders wenn es über eine gute Lichtstärke verfügt.
  • 100 bis 105 mm Brennweite: Dieses Makro ist die ideale Wahl für Sie, wenn Sie gerne Insekten fotografieren, ohne sich über die Fluchtdistanz Gedanken machen zu müssen. Die Naheinstellgrenze ist deutlich weiter gefasst als bei der kleineren Brennweite, sodass Sie die Tiere aus gebührendem Abstand fotografieren können. Diese Brennweite ist zugleich der ideale Kompromiss für einen möglichst vielfältigen Einsatz, ob in der Tier- und Naturfotografie oder auch in der Portraitfotografie.
  • 180 bis 200 mm Brennweite: Eine so hohe Brennweite ist in der Makrofotografie nur dann erforderlich, wenn Sie aus großer Distanz detaillierte Aufnahmen machen möchten. Sehr scheue Tiere mit einer großen Fluchtdistanz lassen sich so fotografieren. Bedenken Sie, dass dieses Makro für sehr kleine Objekte nicht praktisch ist, da Sie sich sehr weit weg befinden müssen, um es scharf fotografieren zu können. Zudem ist sie vergleichsweise teuer.

 

Makroobjektive: Behalten Sie den Überblick.© Unsplash. Ein Makroobjektiv aus der Nähe. 

Nach oben

Braucht ein Makroobjektiv einen Bildstabilisator?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten und kommt wieder auf den Einsatzzweck an. Da Makros oft weniger Lichtstärke als normale Objektive besitzen, kann ein Bildstabilisator tatsächlich hilfreich sein, um scharfe Aufnahmen zu erreichen. Fotografieren Sie jedoch überwiegend Motive, die sich nicht oder nur geringfügig bewegen, können Sie denselben Zweck auch mit einem Stativ erreichen – allerdings deutlich kostengünstiger. Ein Makroobjektiv mit Bildstabilisator ist deutlich teurer als die normale Ausführung.

Nach oben

Alternativen zum Makroobjektiv: Nahlinse, Retroadapter oder Zwischenringe?

Möchten Sie erst einmal nur ausprobieren, ob Ihnen die Makrofotografie liegt oder setzen Sie keine 100-prozentige Abbildungsleistung voraus? Dann könnten statt eines Makroobjektivs auch diese Alternativen in Frage kommen:

  •  Nahlinsen: Nahlinsen werden wie ein Filter einfach auf das Filtergewinde des Objektivs geschraubt und funktionieren wie eine Lupe. Sie sind einfach in der Anwendung und unterscheiden sich durch ihre Dioptrienzahlen (je höher, desto mehr Vergrößerung). Sie haben aber den entscheidenden Nachteil, dass sie teilweise deutliche Abbildungsfehler aufweisen. Für anspruchsvollere Fotos sind Nahlinsen deshalb keine echte Alternative zum Makroobjektiv.
  • Retroadapter: Der Retroadapter ermöglicht es, dass Sie Ihr normales Objektiv verkehrtherum, also mit der Linse zum Bajonett hinzeigend auf die Kamera montieren. Dadurch erzielen Sie tatsächlich mit einfachsten Mitteln Makroaufnahmen, die der Abbildungsleistung von Makros kaum nachstehen – und das deutlich preisgünstiger.
  • Zwischenringe: Zwischenringe werden zwischen das Objektiv und die Kamera eingeschraubt und verlängern damit den Auszug (Abstand zum Kamerasensor). Damit können Sie Makrofotos schießen, ohne Abstriche bei der Abbildungsleistung machen zu müssen. Tipp: Greifen Sie auf Automatik-Zwischenringe zurück, damit Sie weiterhin den Autofokus Ihrer Kamera nutzen können.
  •  Makrofähiges Zoom-Objektiv: Ein solches Objektiv ermöglicht es Ihnen zwar, detailliertere Aufnahmen zu machen. Mit einem Abbildungsmaßstab von etwa 1:4 ist es allerdingsAlles über Objektive für den Nahbereich nicht mit einem Makroobjektiv vergleichbar.
  • Teleobjektiv: In der Insektenfotografie ist ein Teleobjektiv im Regelfall kein adäquater Ersatz für ein Makroobjektiv, da Sie ohne Stativ Schwierigkeiten mit der Bildschärfe des Objektivs bekommen. 

 

Die Fujifilm X-E3 Kamera mit dem Makroobjektiv XF80mm.© Fujifilm. Hersteller wie Fujifilm bieten für ihre Kameras auch Makroobjektive an.

Nach oben

Makroobjektiv richtig verwenden: So geht's

Grundsätzlich können Sie im Umgang mit einem Makro im Nahbereich nicht viel falsch machen: Sie befestigen es analog zu anderen Objektiven an Ihrer Spiegelreflexkamera, fokussieren das Motiv und drücken ab. Für noch bessere Aufnahmen beherzigen Sie am besten noch diese Tipps:

  • Schließen Sie die Blende etwas weiter, um das ganze Motiv scharf zu fotografieren.
  • Mit einem Makroobjektiv können Sie sehr gut Hintergründe freistellen.
  • Verwenden Sie wenn möglich ein Stativ – es erleichtert es Ihnen bei der geringen Lichtstärke des Objektivs, scharfe und sauber fokussierte Fotos zu schießen.

 

Makroaufnahme einer Libelle. Mit dem richtigen Makroobjektiv kein Problem.© Unsplash. Mit dem richtigen Makroobjektiv, Geduld und den richtigen Kameraeinstellungen gelingen Ihnen solche tollen Aufnahmen einer fliegenden Libelle.

Tasten Sie sich am besten langsam an die Makrofotografie heran. Ehe Sie gleich in ein teures Makroobjektiv investieren, probieren Sie es doch erst einmal mit den günstigeren Alternativen. So finden Sie heraus, ob das Thema Sie so sehr reizt, dass es sich lohnt, es auszubauen und im Detail zu verfolgen.

Nach oben