Das Kameraobjektiv: Die wichtigsten Basics für das Fotografieren mit Objektiven

Von Sabine Hutter - Do, 17.10.2019 - 10:33
Kameraobjektive gibt es viele. Behalten Sie den Überblick!

Wenn Sie mit einer Spiegelreflexkamera oder sonstigen Systemkamera fotografieren, müssen Sie sich zwangsläufig auch mit den zugehörigen Objektiven beschäftigen. Idealerweise haben Sie mehrere Wechselobjektive parat, die Sie je nach Situation einsetzen können. Um diese Entscheidung treffen zu können, sollten Sie aber auch wissen, wie ein Objektiv funktioniert, welche Arten es gibt und wie man mit Kameraobjektiven richtig umgeht.

 

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Wie funktionieren Objektive?

Wie eine Objektivkonstruktion genau arbeitet, erklärt sich am besten anhand eines Vergleichs mit dem menschlichen Auge. Stellen Sie sich vor, die Kamera wäre das Auge und das Objektiv wäre die Linse: Es erfasst das Licht, das in sie hineinfällt, und den Blickwinkel, ähnlich wie das Auge.

Und tatsächlich ist auch der Aufbau des Objektivs recht ähnlich – statt einer Linse sind hier allerdings mehrere im Einsatz, um die unterschiedlichen Einstellungen vornehmen zu können. Wenn Sie beispielsweise bei einem Zoomobjektiv an der Kamera die Brennweite einstellen, verändern die Linsen ihre Position zueinander – konkret verringert oder erhöht sich der Abstand von der vordersten Linse zum Sensor. Die Linse bündelt das Licht, das schließlich gesammelt auf den Brennpunkt auf dem Sensor trifft.
Übrigens erfasst kein Objektiv alles exakt so, wie es tatsächlich ist – so werden bei vielen Objektiven die Bildpunkte an den Rändern etwas unscharf oder es entstehen Verzerrungen von geraden Linien (Abbildungsfehler).

Behalten Sie den Überblick bei den Kameraobjetkiven. © Unsplash. Eine Auswahl an Kameraobjektiven.

Ein weiterer, sehr wichtiger Bestandteil des Objektivs ist die Blende. Dabei handelt es sich um eine Art von Ring, der die Öffnung des Wechselobjektivs umschließt und sich je nach Bedarf weiter schließt oder öffnet. Je weiter offen die Blende ist, desto mehr Licht dringt ins Innere und desto weniger Schärfentiefe erzielen Sie. Schließen Sie die Blende weiter, erreichen Sie durch den geringeren Lichteinfall die oft erstrebenswerte, höhere Tiefenschärfe. Aus der Blendenzahl lässt sich auch die Lichtstärke errechnen. Sie entspricht dem Kehrwert der kleinsten Blendenzahl. Je höher die Lichtstärke ist, desto besser sind die Ergebnisse bei schlechtem Licht.

Tipp: Für Einsteiger ist die Angabe der Blendenzahl f häufig ein wenig verwirrend, denn je kleiner die Zahl ist, desto weiter ist die Blende geöffnet. Sie können sich vereinfacht merken: Je größer die Blendenzahl ist, desto höher ist die Schärfentiefe.

 

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Die Zahlen auf den Objektiven: Was bedeuten sie?

Auf jedem Kameraobjektiv lesen Sie eine Menge verschiedener Zahlen. Was bedeutet beispielsweise die Angabe "18-55 mm 1:3.5-5.6"?

  • 18-55 mm: Es handelt sich um ein Zoomobjektiv, das Sie von einer Brennweite von 18 bis 55 Millimetern verstellen können. Ist hier nur eine Zahl angegeben, z. B. 50 Millimeter, handelt es sich um eine Festbrennweite.
  • 1:3.5-5.6: Die Blende kann auf Werte von 3.5 bis 5.6 eingestellt werden.
     

Neben diesen unverzichtbaren Angaben gibt es häufig noch weitere Informationen auf dem Objektiv, deren herstellerspezifische Bedeutung entnehmen Sie am besten der Anleitung der Kamera.

Hochwertige Kameraobjektive machen auch nachts eine gute Figur. © Unsplash. Auf dem Kameraobjetkiv sind verschiedene Blendenzahlen angegeben. Auf- und Abblenden in jeder Lichtsituation.

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Arten von Kameraobjektiven: Welches Objektiv wofür einsetzen?

Wie findet man nun heraus, welches Objektiv man für welche Situation verwendet? Dazu sollten Sie zunächst die Unterschiede zwischen den verschiedenen Wechselobjektiven kennen:

  • Normalobjektiv: Das Normalobjektiv ist meist im Lieferumfang einer Spiegelreflexkamera enthalten und entspricht vom Bildwinkel her am ehesten dem menschlichen Sehen. Meist handelt es sich um eine Festbrennweite von ca. 50 mm. Diese können Sie zum Beispiel für die Portraitfotografie verwenden. 
  • Weitwinkelobjektiv: Das Weitwinkelobjektiv deckt mit 60 bis 80° einen deutlich größeren Bildwinkel ab. Vereinfacht gesagt passt so mehr aufs Foto – statt nur einzelne Details können Sie eine komplette Szene erfassen. Das Weitwinkelobjektiv ist die ideale Wahl, wenn Sie eine Landschaft oder eine größere Menschengruppe (z. B. Gruppenfoto) fotografieren möchten. Die Brennweite liegt beim Weitwinkelobjektiv bei etwa 28 bis 35 mm. Typisches Einsatzgebiet: Architekturfotografie oder Natur- und Reisefotografie. Auch für Strandfotos eignet sich diese Art von Objektiven. 
  • Fischaugenobjektiv: Das Fischaugenobjektiv oder auch Fisheye-Objektiv ist ebenfalls ein Weitwinkelobjektiv. Durch die spezielle Krümmung der Linse erreicht es einen Bildwinkel von bis zu 180°, die Brennweite liegt bei ca. 10 bis 14 mm. Dank des Fischaugenobjektivs entstehen spannende Bilder mit einem rundlichen Verzerrungseffekt, die jedoch extrem viele Details erfassen können.
  • Teleobjektiv: Das Teleobjektiv weist eine hohe Brennweite von 135 mm und mehr auf. Der Bildwinkel verkleinert sich sehr stark (ca. 12 bis 18°). Sie können dadurch aus großer Entfernung auch kleine Details fotografieren, allerdings ist auch der Bildausschnitt relativ klein. Das Teleobjektiv kommt immer dann zum Einsatz, wenn Sie vom zu fotografierenden Objekt weit entfernt sind (z. B. Sportfotografie, Detailaufnahmen in der Natur).
  • Zoomobjektiv: Das Zoomobjektiv ermöglicht es, die Brennweite zu verstellen. So können Sie schnell zwischen verschiedenen Bildwinkeln wechseln und sind so in nicht planbaren Situationen wendig und flexibel. Typische Vertreter dieser Kategorie reichen von 24 bis 85 mm oder von 70 bis 300 mm.
  • Festbrennweite: Bei einem Objektiv mit Festbrennweite ist eine Brennweite fest eingestellt. Das bedeutet, dass Sie nicht zoomen können und je nach Größe des Motivs die Aufnahmeentfernung vergrößern oder verkleinern müssen (die Aufnahmeebene näher heranholen oder entfernen). Da sie meist eine höhere Lichtstärke ermöglichen, eignen sie sich auch bei schlechten Lichtverhältnissen.
  • Makroobjektiv: Ein Makroobjektiv ist in der Lage, einen Abbildungsmaßstab von 1:1 zu erreichen, also auch sehr kleine Details (z. B. Insekten) formatfüllend abzubilden. Bei einem Makroobjektiv handelt es sich um eine Festbrennweite, wobei sich die Brennweite am Einsatzzweck orientiert. Für ein vielseitig auch in der Portraitfotografie nutzbares Objektiv wählt man Brennweiten um 50 mm, für die Tierfotografie haben sich Brennweiten ab 100 mm bewährt. Mehr zur Makrofotografie erfahren Sie in unserem spannenden Interview. 

 

Ein Teleobjektiv ist ein Kameraobjektiv für lange Distanzen. © Unsplash. Für jedes Einsatzgebiet gibt es das passende Kameraobjektiv.

Probieren Sie am besten einfach in Ruhe aus, welche Ergebnisse die verschiedenen Wechselobjektive bringen, damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, wann welches Objektiv einzusetzen ist.

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Häufige Fragen rund um das Objektiv

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1. Lassen sich die Objektive verschiedener Hersteller miteinander kombinieren?

Grundsätzlich sind Sie bei der Wahl des Kameraobjektivs nicht auf den Hersteller der Kamera festgelegt. Allerdings ist nicht automatisch jedes Objektiv an jeder Kamera einsetzbar. Achten Sie deshalb auf die Herstellerangaben bzw. nutzen Sie zur Sicherheit Kompatibilitätsdatenbanken im Netz. Besonders anspruchsvoll ist die Auswahl der Objektive bei einer Vollformatkamera.

Auch Kameraobjektive verschiedener Hersteller lassen sich kombinieren. © Unsplash. Achten Sie beim Kombinieren Ihrer Kameraobjektive auf Kompatibilität.

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2. Wie kann man Objektive reinigen?

Reinigen Sie Ihr Objektiv regelmäßig, um Bildfehler durch Schmutz auf der Linse zu vermeiden. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:

  • groben Schmutz mit einem feinen Pinsel oder einem Blasebalg entfernen
  • Gehäuse mit einem Mikrofasertuch reinigen
  • Schmutz in Ecken oder im Filtergewinde ggf. mit einem Wattestäbchen beseitigen
  • Linse mit einem sauberen Mikrofasertuch oder einem Objektiv-Reinigungs-Stift vorsichtig abwischen
  • Bildsensor mithilfe der automatischen Sensor-Reinigung säubern
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3. Wie lagert man Objektive richtig?

Objektive sind erstaunlich robust. Bewahren Sie sie dennoch vorsichtshalber in trockener Umgebung bei Zimmertemperatur und am besten geschützt vor Staub auf. Es spielt keine Rolle, ob Sie ein Objektiv stehend oder liegend lagern. 

Lagern Sie Ihre Objektive zum Beispiel in einer Kameratasche. © Unsplash. In einer Kameratasche bleiben Ihre Objektive sauber. Auch unterwegs.

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4. Warum nutzt man für Objektive einen Filter?

Viele Fotografen versehen ihre Fotoobjektive mit einem UV-Filter, der die Linse eigentlich vor UV-Strahlen schützen soll. Dies ist zwar meist gar nicht erforderlich, weil moderne Objektive diesbezüglich nicht mehr empfindlich sind. Der Filter schützt das Glas aber gleichzeitig auch vor Kratzern und Glasbruch, ohne jedoch das Ergebnis zu verfälschen.

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Objektive: Entdecken Sie Ihre vielfältigen Möglichkeiten

Möchten Sie mit einer Spiegelreflexkamera die Welt in all ihren Details erkunden, kommen Sie um die Arbeit mit verschiedenen Objektiven nicht herum. Sobald Sie sich einen Überblick über die Vielfalt verschafft haben, werden Sie viel Freude daran haben, die Wirkung Ihrer technischen Möglichkeiten auf Ihre Fotos erleben.

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