Pixel, DPI und mehr: Auflösung verstehen

Von Max Niemann - Mo, 03.02.2020 - 10:53
Bausteine eines jeden digitalen Bildes: Pixel.

Das Kunstwort "Pixel" (aus "picture" und "element") ist nicht nur im Austausch zwischen Fotografen ein viel genutzter Begriff. Auch bei Fernsehgeräten, Laptops oder mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets wird er gern verwendet. Zwischen "pixelig", "DPI" und " verpixeln" – worum geht es dabei überhaupt und welche Rolle spielen Pixel und Auflösung in der digitalen Fotografie?

Eins wollen wir gern gleich klar stellen. Oft heißt es: Viele Megapixel führen auch automatisch zu höherer Bildqualität. Das ist, kurz und bündig, Quatsch. Wieso das so ist  und die Antwort auf weitere Fragen , erfahren Sie hier im Beitrag!

 

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First things first: Grundlagen zur Auflösung

Lesen Sie in den nächsten Absätzen, mit welchen relevanten Begriffen Sie das Thema Auflösung erschließen, wie sie definiert sind und vor allem auch: wie Sie sie voneinander abgrenzen können. Denn selbst viele Profis gehen damit oft etwas stiefmütterlich um, sodass es häufig zu Verwechslungen und Verwirrung kommt. Bereit? Fangen wir erstmal klein an – mit dem Pixel:

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Pixel

Das Pixel bezeichnet – ganz wie sein englischer Begriffsursprung andeutet – das kleinste Element eines Bilds. Oft wird es mit "px" abgekürzt. Deutsche Entsprechungen sind zum Beispiel "Bildpunkt" oder "Bildelement". Ein Pixel besteht aus einer eindeutigen Farbinformation, ggf. noch durch Transparenzinformationen ergänzt, und bildet gemeinsam mit anderen Pixeln eine Rastergrafik. Es handelt sich dabei erst einmal um formlose Punkte, nicht notwendigerweise um Quadrate – auch wenn Pixel damit gern assoziiert werden, schließlich werden in gängigen Bildbearbeitungs-Programmen stark vergrößerte Bildpunkte z. B. beim 800%-Zoom gern quadratisch dargestellt. Allerdings entsteht die Form erst durch die "Konstruktion" des Bilds, also durch Rendern oder Rastern.

Ohne diese winzigen Bildelemente geht gar nichts: Pixel bauen jedes Bild auf.  ©Unsplash | Ohne diese winzigen Bildelemente geht gar nichts: Pixel bauen jedes Bild auf.

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Auflösung

Der Begriff "Auflösung" oder "Bildauflösung" ist leider nicht ganz trennscharf und wird in verschiedenen Kontexten auch unterschiedlich verwendet. 
Grundsätzlich bezeichnet Auflösung die Bildgröße einer gerasterten Grafik, also die Anzahl aller Pixel oder/und ihre Aufteilung in Breite und Höhe. Gängige Schreibweise für die Bildauflösung ist zum Beispiel "1920 × 1080 px" – übrigens die Auflösung des beliebten Full-HD-Formats, auch als 1080p bekannt.

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Megapixel

Auch mit dem Begriff "Megapixel" (oft als "MP", "MPix", "MPixel" etc. abgekürzt) wird eine Auflösung beschrieben. Das Präfix "Mega-" steht hierbei für eine Million Bildpunkte. Nehmen Sie zum Beispiel das 1080p-Format und lösen Sie die Multiplikation auf, erhalten Sie 2.073.600 Pixel – also etwa 2 Megapixel. Der Begriff Megapixel wird hauptsächlich verwendet, um die Auflösung digitaler Bildsensoren und Kameras zu beschreiben. Aber Vorsicht: Bei der Angabe "24 MPixel" wird jeder Sensor-Pixel gezählt – und derer gibt es jeweils drei pro tatsächlichem Anzeige-Pixel, nämlich jeweils einen roten, blauen und grünen.

Hier sieht man ganz deutlich die einzelnen Bildpunkte einer Rastergrafik. ©Unsplash | Hier sehen Sie die Anzeige-Pixel ganz deutlich.

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DPI ("dots per inch") und PPI ("pixels per inch")

Um nun zu beschreiben, wie eine definierte Menge Pixel auf einer bestimmten Fläche dargestellt wird, gibt es die Größen "DPI" und "PPI". Eigentlich beschreiben die beiden Begriffe zwar unterschiedliche Größen, wurden in der digitalen Fotografie aber viel und konsequent synonym eingesetzt, sodass sie nun daher meist das Gleiche meinen – nämlich PPI. So weit, so verwirrend?

Kurz zusammengefasst: Der PPI-Wert (z. B. 300ppi oder 1200ppi) gibt an, wie viele Bildpunkte relativ zu einer bestimmten Darstellungs- oder Abbildungsgröße verwendet werden.
Am Beispiel: Nehmen wir an, Sie möchten eine Bilddatei mit 3000 × 2000 Pixeln – also ca. 6 MP – ausdrucken. Die absolute Auflösung bleibt dabei immer gleich; schließlich können Sie Ihr Foto nicht nachträglich höher auflösen, als es Ihr Kamerasensor abgespeichert hat. Doch die relative Auflösung in PPI hängt nun von der Abbildungsgröße ab. Drucken Sie zum Beispiel auf 90 × 60 cm, so fällt die relative Auflösung deutlich niedriger aus als bei einem Abzug auf 15 × 10 cm.

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Probleme und Mythen zum Thema Bildauflösung

Schwirrt Ihnen nach dieser Sammlung von Begrifflichkeiten nun auch ein wenig der Kopf? Tatsächlich hat die Umgangssprache aus ehemals trennscharfen, klaren Begriffen über den Lauf der Jahre ein komplexes Dickicht gemacht. Wie Sie sich in diesem Dschungel aus uneindeutigen Begriffen trotzdem gut zurechtfinden, entdecken Sie in den folgenden Tipps und Anregungen.

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Das erste Gebot: Auflösung ist nicht alles.

Der wichtigste Hinweis zu Beginn: Eine hohe Auflösung bedeutet nicht automatisch bessere Bildqualität! Viele Jahre lang haben die großen Kamerafirmen neue Produkte gerade im Hobbyfotografie-Segment vornehmlich mit gestiegener Auflösung und mehr Megapixeln beworben. Auch bei den immer weiter entwickelten Smartphone-Kameras ist es heutzutage genauso. Ob Apple, Samsung oder Huawei: Fast alle Hersteller preisen ihre neuen Modelle gern mit ihren "40-MP-Kameras" und Ähnlichem an. Dabei ist die Bildauflösung nicht der einzige und kein eindeutiger Wert, der die Qualität eines Bilds ausmacht. Weiteren Einfluss hat die Sensorgröße, die Abbildungsqualität Ihres verwendeten Objektivs, die Darstellung, der Druck …

Viele Faktoren, nicht nur die Auflösung, spielen eine Rolle für eine gute Bildqualität.
©Unsplash | Viele Faktoren beeinflussen die Bildqualität. Nicht nur die Auflösung und die Pixeldichte!

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Bildauflösung kritisch hinterfragen: Das Konzept der Pixelgröße.

Kommt ein neues Kameramodell mit ähnlichem Sensor, aber doppelter Megapixel-Zahl daher, ist erst einmal Vorsicht geboten. Denn wenn der Sensor nicht in sich verbessert wurde, heißt höhere Auflösung in der digitalen Welt eventuell auch einfach nur "mehr Vergrößerung". Das heißt: Die Bildqualität bleibt womöglich die gleiche, es werden nur künstlich mehr Pixel hinzugerechnet. Das führt in der 100%-Ansicht zum Beispiel zu höherem Bildrauschen. Denn ein relevanter Faktor ist hier vor allem auch die sogenannte "Pixelgröße" auf dem Sensor, bildhaft ausgedrückt: wie viele Pixel auf die Sensorfläche gequetscht werden. Ein größerer Sensor, zum Beispiel in einer Vollformat-Kamera, wird also bei gleicher (Mega-)Pixelanzahl ein besseres Rauschverhalten und eine andere Bildwirkung haben als ein kleinerer Sensor in einer Crop-Kamera.

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Druck vs. Monitor: Die passende Auflösung beachten.

Viele PC-Monitore und Bildschirme in Laptops verfügen über eine Punktdichte von 72 PPI – zumindest war das für lange Zeit so, inzwischen steigen die Werte ähnlich wie bei mobilen Endgeräten stetig. Das sorgt bei normalem Betrachtungsabstand für eine ausreichend scharfe Darstellung bei akzeptablem Energieverbrauch. (Apples Marketingbegriff "Retina-Display" bezog sich vor allem auf eine besonders hohe Display-Auflösung, die inzwischen bei Smartphones zum Standard geworden ist.)

Retina-Bildschirme haben eine hohe Auflösung.
©Unsplash | Hohe Display-Auflösung = bessere Qualität?

Bei Druckdateien gelten andere Regeln. Hier sind meist 300 DPI – ja, im Druck dann leider doch mit "D" – das Minimum, Werte bis 1200 DPI sind keineswegs unüblich. (Beim Druck handelt es sich statt um "fiktive", noch zu rendernde Punkte tatsächlich um physische / technische Druckpunkte. Daher verwendet man hier den Begriff "DPI".)
Was bedeutet das in der Anwendung? Zum Beispiel, dass ein Bild auf Ihrem Bildschirm (sagen wir: bei 15" Diagonale) mit 72 PPI scharf und klar in bildschirmfüllender 100%-Ansicht angezeigt wird, das gleiche Bild für das gleiche Format (also etwa 30 × 20 cm) als Druckdatei aber eventuell zu niedrig aufgelöst ist.

Auch im Druck entscheidend: DPI und PPI. Die richtige Auflösung macht's. ©Unsplash | Auch im Druck entscheidend: DPI und PPI. Die richtige Auflösung macht's.

Prüfen Sie daher immer vor dem Bestellen von Fotoabzügen oder Fotoprodukten, dass Ihre Bilder auch über die ausreichende Bildgröße für das gewünschte Medium verfügen. Auch wenn ein Bild einmal nicht perfekt aufgelöst ist, können Sie es natürlich trotzdem als Abzug oder Leinwand in Ihr Wohnzimmer hängen. Zum Beispiel so, dass es mit etwas größerem Abstand betrachtet wird: unter einer Treppe, hinter einem Sideboard oder über der Couch. In den meisten Fällen ist es dennoch mit sichtbaren Qualitätseinbußen verbunden und daher nicht unbedingt empfehlenswert. Vielleicht finden Sie ja ein anderes Bild aus der Serie, dessen Auflösung besser passt?

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Gestalten!

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