Architekturfotografie
Von WhiteWall-Experte Jan-Ole Schmidt
In diesem Artikel tauchen wir ein in die Welt der Architekturfotografie. Wir stellen Ihnen wertvolle Techniken und Perspektiven vor, mit denen Sie beeindruckende Architekturfotos ablichten. Darüber hinaus stellen wir Ihnen drei inspirierende Fotoprojekte vor, sodass Sie direkt kreativ Durchstarten können.
Einführung in die Architekturfotografie: Das Zusammenspiel von Technik und Kunst
Architekturfotografie ist eine Kunstform, die sich mit der Fotografie von Gebäuden und Bauwerken beschäftigt. Dabei geht es nicht nur darum, die äußere Form und Struktur eines Gebäudes zu erfassen, sondern auch seinen Charakter, dessen Kontext und seine Einbettung in die Umgebung. Ein gutes Verständnis für Komposition, Licht und Perspektive sowie die Fähigkeit, technische Herausforderungen zu meistern, sind daher für die Architekturfotografie unerlässlich.
Durch die Darstellung von Form, Funktion und Ästhetik aus einzigartigen Perspektiven und mit unterschiedlichen Techniken fängt sie das Wesen der Architektur ein. In diesem Blogbeitrag beleuchten wir die wichtigsten Aspekte der Architekturfotografie und geben Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie beeindruckende Architekturfotos ablichten können.

Ausrüstung für Architekturfotografen
Wie in allen großen Genres der Fotografie gibt es auch in der Architekturfotografie einige Klassiker, die in keiner Ausrüstungstasche fehlen dürfen. Will man beispielsweise Gebäude als Ganzes im Bild festhalten, sind Weitwinkelobjektive unverzichtbar. Weite, detailreiche Kompositionen können aber schnell unruhig und verzerrt wirken. Setzen Sie deshalb in der Stadt nicht nur auf Weitwinkel. Eine Brennweite von 50 mm kommt dem menschlichen Auge am nächsten. Sie lässt die Szenerie natürlich erscheinen. Mit langen Brennweiten lassen sich Details an Gebäuden einfangen. In engen Innenräumen ist jedoch ein Weitwinkelobjektiv unumgänglich, wenn man z.B. eine Decke, ein Treppenhaus oder ein kleines Hotelzimmer fotografieren möchte.
Was Architekturfotografen neben der Kamera noch an nützlichem Zubehör und klassischer Fotoausrüstung benötigen, wollen wir hier kurz zusammenfassen.
Das Weitwinkel-Objektiv: Der Klassiker
Weitwinkelobjektive sind in der Architekturfotografie nahezu unverzichtbar. Sie ermöglichen es, große Strukturen und enge Räume in ihrer Gesamtheit abzubilden. Vor allem bei der Aufnahme von Innenräumen sind sie von großem Nutzen, da sie den gesamten Raum erfassen und einen Eindruck von Tiefe vermitteln können.
Werden Gebäude von außen fotografiert, werden meist Weitwinkelobjektive zwischen 18 und 24 mm im Kleinbildformat verwendet. In der Innenarchitektur werden auch extremere Bildwinkel bis 14 mm im Kleinbildformat verwendet, um auch enge Räume vollständig abbilden zu können.
Neben einer guten und konstanten Schärfe ist bei Objektiven für die Architekturfotografie auch die Lichtstärke wichtig. Um die Belichtungszeit auch in den meist lichtschwächeren Innenräumen nicht zu sehr verlängern zu müssen, hilft eine große Blende wie f/2,8.
Das Tilt-Shift-Objektiv: Die Profi-Option
Wer Architektur ohne stürzende Linien und Verzerrungen direkt in der Kamera festhalten will, braucht ein Tilt-Shift-Objektiv.
Ähnlich wie bei einer analogen Balgenkamera lässt sich mit der Tilt-Funktion die Schärfentiefe im Bild gezielt steuern. Auf diese Weise ist es möglich, alle Elemente eines Gebäudes scharf abzubilden, auch wenn sie sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden.
Der zweite Vorteil der Shift-Funktion ist die Vermeidung von stürzenden Linien. Dies ist besonders wichtig bei hohen Gebäuden. So können perspektivische Verzerrungen korrigiert und gerade Linien beibehalten werden. Panoramaaufnahmen sind ein weiterer Anwendungsfall für Tilt-Shift-Objektive. Durch Verschieben des Objektivs können mehrere Aufnahmen gemacht werden, die dann einfach und nahtlos ohne sichtbare Übergänge zusammengefügt werden können.
Schließlich bieten Tilt-Shift-Objektive in der Regel eine hohe Bildqualität, da sie speziell für professionelle Anwendungen entwickelt wurden und häufig hochwertigere optische Elemente enthalten. Dies spiegelt sich in der Regel auch im Preis der Objektive wider.

Teleobjektive: Details und Kompression
Teleobjektive werden auch in der Architekturfotografie vielfältig eingesetzt und bieten eine Reihe von Vorteilen. Durch ihre lange Brennweite ermöglichen sie Aufnahmen von Gebäuden aus großer Entfernung. So können beispielsweise Wolkenkratzer oder andere schwer zugängliche Bauwerke von Aussichtsplattformen aus aufgenommen und freigestellt werden.
Ein weiterer wesentlicher Vorteil von Teleobjektiven ist die Minimierung von Verzerrungen, die bei Weitwinkelobjektiven häufig auftreten. Linien und Proportionen wirken dadurch natürlicher und realistischer. Der Nachteil ist, dass der notwendige Abstand zum Motiv in der Architekturfotografie schwer zu erreichen sein kann.
Der typische Anwendungsfall von Teleobjektiven in der Architekturfotografie ist die isolierte und scharfe Darstellung von Architekturdetails wie Fassadenstrukturen, Ornamenten oder Fensterrahmen. Diese gezielte Fokussierung hilft, das Design und die Textur eines Gebäudes hervorzuheben. Außerdem können durch den engen Bildausschnitt störende Elemente ausgeblendet werden. Dadurch wird die Komposition vereinfacht und das Hauptmotiv in den Vordergrund gerückt.
Ein weiterer Vorteil ist die optische Komprimierung des Bildraumes, die durch Teleobjektive erreicht wird. Dadurch wirken Gebäude massiver und eindrucksvoller, da die verschiedenen Ebenen des Bauwerks näher zusammenrücken.
Das Stativ: Fließende Wolken, helle Szenerien
Das Stativ gilt als der beste Freund des Fotografen – das gilt besonders für Architekturfotografen. Bei den für dieses Genre typischen längeren Belichtungszeiten, die durch schwierigere Lichtverhältnisse in Innenräumen oder bei Dämmerung oder auch bei HDR-Aufnahmen entstehen, bieten Stative Stabilität.
Stative ermöglichen eine präzise Bildkomposition, für die in der Architekturfotografie ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Sie unterstützen die Verwendung kleiner Blendenöffnungen wie f/8 für maximale Schärfentiefe und reduzieren Verwacklungen, was zu schärferen und professionelleren Bildern führt.

Filter für Architekturfotografen: Polfilter, ND-Filter und mehr
In der Architekturfotografie kommen sehr unterschiedliche Filter zum Einsatz. Polarisationsfilter reduzieren Reflexionen auf Glas- und Metalloberflächen, verstärken die Farben und erhöhen den Kontrast des Himmels. Dadurch werden die Aufnahmen klarer und detailreicher.
ND-Filter (Neutraldichtefilter) ermöglichen auch bei Tageslicht längere Belichtungszeiten. So können Bewegungen wie Wolken weichgezeichnet werden oder Personen durch besonders lange Belichtungszeiten verschwinden. Dies erzeugt eine dynamische Atmosphäre und betont die Statik des Gebäudes. ND-Verlaufsfilter gleichen den Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Erde aus und ermöglichen so eine ausgewogene Belichtung und eine detailreiche Darstellung des Himmels.
UV-Filter schützen das Objektiv vor Staub, Kratzern und UV-Strahlung, ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen. Insgesamt erweitern Filter die gestalterischen Möglichkeiten und tragen durch die gezielte Beeinflussung von Kontrasten, Farben und Belichtung zur technischen Perfektion der Architekturfotografie bei.
Techniken und kreative Ansätze in der Architekturfotografie
In der Architekturfotografie gibt es zahlreiche Techniken und kreative Ansätze, um eindrucksvolle und einzigartige Bilder von Bauwerken zu schaffen. Wir stellen die beliebtesten vor.
Langzeitbelichtung: Scharfe Gebäude, verschwommene Himmel
Langzeitbelichtungen in der Architekturfotografie ermöglichen es, Bewegung und Zeit einzufangen und statische Gebäude dynamisch erscheinen zu lassen. Sie werden häufig eingesetzt, um Lichtspuren von Fahrzeugen, ziehende Wolken oder Wasserbewegungen darzustellen, was den Bildern eine besondere Atmosphäre verleiht. Wichtig ist die Verwendung eines stabilen Stativs, um Verwacklungen zu vermeiden.
Häufig werden auch ND-Filter eingesetzt, um längere Belichtungszeiten bei Tageslicht zu ermöglichen. Teilweise in Kombination mit ND-Verlaufsfiltern, um zusätzlich den Belichtungsunterschied zwischen Himmel und Gebäuden auszugleichen. Außerdem sollte der ISO-Wert niedrig gehalten werden, um eine bestmögliche Bildqualität zu gewährleisten. Was die Blende betrifft, so verwenden Architekturfotografen in der Regel geschlossene Blenden, z. B. f/8, um eine durchgehende Schärfe im Bild zu gewährleisten.

Himmel und Wolken sind durch die lange Belichtungszeit samtig und glatt.
HDR-Fotografie
Die HDR-Fotografie (High Dynamic Range) ermöglicht die Darstellung von Details sowohl in den hellen als auch in den dunklen Bereichen eines Bildes. Bei dieser Technik werden mehrere Belichtungen kombiniert, um ein Bild zu erzeugen, das den gesamten Bereich von Licht und Schatten erfasst.
Das Alter der Gebäude im Blick
Auch das Alter des Gebäudes spielt eine Rolle bei der Frage, wie der Fotograf vorgehen sollte. Die Steine reflektieren nur wenig Licht, so dass die Gebäude bei Gegenlicht leicht stumpf und unterbelichtet wirken. Bei Steinen in warmen Farben kann es auch zu Problemen mit dem Weißabgleich kommen, da sie die automatische Belichtungssteuerung stören, was zu einem unschönen Blau- oder Grünstich führen kann. Um die Schatten aufzuhellen und gleichzeitig Farbstiche zu neutralisieren, verwenden Sie eine Belichtungskorrektur von +2/3 EV.
Bei modernen Gebäuden mit viel Glas ist eine Überbelichtung nicht ungewöhnlich. Verwenden Sie in diesem Fall eine Belichtungskorrektur von ca. -1 EV, um Lichtverluste zu vermeiden.
Spiegelungen und Reflexionen
Spiegelungen sind in der Architekturfotografie besonders beliebt. Wasserflächen, Glasfassaden oder Pfützen bieten kreative Möglichkeiten, die Architektur doppelt und verzerrt abzubilden und interessante visuelle Effekte zu erzielen.
Auch die Einbeziehung natürlicher Elemente wie Bäume oder Blumen in die Komposition kann die Architektur auf ungewöhnliche Weise betonen und eine harmonische Verbindung zwischen Natur und Bauwerk schaffen.

Architektonische Details im Fokus
Um die Feinheiten und handwerklichen Aspekte der Architektur hervorzuheben, bieten sich neben der Gesamtansicht eines Gebäudes auch Detailaufnahmen an. Die besonderen Merkmale eines Gebäudes können mit einer langen Brennweite hervorgehoben werden.
Heben Sie besondere Materialien, Texturen oder Ornamente hervor, die das Gebäude einzigartig machen. Wenn das Gebäude einzigartige Fassadenstrukturen oder Fensterrahmen hat, sind diese das Ziel Ihrer Detailaufnahmen. Auch sich wiederholende Muster können zu kunstvollen, abstrakten Aufnahmen führen.
Das Spiel mit Licht und Schatten
Zuletzt möchten wir noch einen gestalterischen Ansatz vorstellen, der wie geschaffen ist für die Architekturfotografie: das Spiel mit Licht und Schatten. Durch den bewussten Einsatz unterschiedlicher Tageszeiten und Lichtverhältnisse können Strukturen und Texturen eines Gebäudes hervorgehoben werden. Viele Gebäude bestehen aus verschiedenen Materialien, die im Licht sehr unterschiedlich wirken. Die anorganischen Formen laden förmlich dazu ein, abstrakte Details mit starken Kontrasten einzufangen.
Gleichzeitig lassen sich frühmorgens und am späten Nachmittag, wenn das Licht weicher und wärmer ist, besonders stimmungsvolle Bilder einfangen, in denen die gesamte Architektur harmonisch und ausgewogen wirkt.

Der richtige Blickwinkel
Die meisten der angebotenen Szenen sind eher vertikal, da Gebäude in der Regel eher höher als breiter sind. Die Kamera einfach ins Hochformat zu drehen, ist eine Lösung, kann aber den Eindruck von Größe im Bild verringern. Wenn Sie die Kamera nach oben neigen, entstehen stürzende Linien. Vorsicht ist auch bei Führungslinien geboten: Sie sollten nicht ins Leere oder aus dem Bild führen.
Aber auch dies sind Faktoren, die ein Bild besonders und spannend machen können. Zum Beispiel lassen stürzende Linien die Wolkenkratzer nach oben schauen und eine gut eingesetzte Führungslinie hilft, den Betrachter durch das Bild zu führen. Es ist also wichtig, die Komposition von Szene zu Szene anzupassen. Es gibt keine zwei gleichen städtischen Umgebungen. Auch wenn die Architektur ähnlich erscheinen mag.
Es geht darum, die Szene vollständig zu erkunden, um zu sehen, wie alle Komponenten zusammenwirken. Dann findet man den optimalen Blickwinkel für sein Bild. Das klingt einfach. Aber es gehört mehr dazu, als viele Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln zu machen.
Als Fotograf muss man wissen, wonach man sucht. Man muss erkennen können, wann eine Komposition gut funktioniert und wann das Bild überladen ist oder ein Ungleichgewicht im Detail aufweist. Der Schlüssel zum perfekten Bild kann eine etwas längere Brennweite sein, um die Vegetation im Vordergrund mit einzubeziehen. Oder ein anderes Gebäude kann als natürlicher Rahmen dienen. Denken Sie einfach daran, dass „anders“ den Blick des Betrachters länger fesselt.

Kreative Perspektiven in der Architekturfotografie
In der Architekturfotografie spielt die Perspektive eine entscheidende Rolle. Mit ihr können Sie Form, Größe und Wirkung eines Gebäudes im Bild beeinflussen und hervorheben.
Es gibt verschiedene Perspektiven, die Sie verwenden können, um architektonische Strukturen optimal darzustellen:
1. Frontale Perspektive: Diese Perspektive bietet eine symmetrische und oft monumentale Ansicht des Gebäudes. Sie eignet sich besonders gut für Gebäude mit einer starken, zentralen Achse.
2. Diagonale Perspektive: Eine dynamische und dreidimensionale Darstellung des Gebäudes wird durch eine schräge Kamerapositionierung erreicht.
3. Vogelperspektive: Die Vogelperspektive ist eine Perspektive von oben, die dem Betrachter einen umfassenden Überblick über das Bauwerk und seine Umgebung ermöglicht. Sie kann von Aussichtsplattformen oder durch Drohnenfotografie erreicht werden.
4. Froschperspektive: Von unten fotografiert, wirken Gebäude oft noch imposanter und größer. Das kann dramatisch und extrem wirken. Sicherlich keine Standardperspektive, folglich ein kreativer Ansatz.

Durch das Fotografieren von ungewöhnlichen und auffälligen Motiven entstehen spannende Bilder. Szenen, die man nicht alle Tage sieht und die den Blick auf dem Bild verweilen lassen. Spannende Architekturbilder entstehen durch extreme Blickwinkel. Schauen Sie nach oben und fangen Sie die Häuserschluchten bewusst mit stürzenden Linien ein.
Symmetrie und Geometrie
Ein Schlüssel zu eindrucksvoller Architekturfotografie ist die Suche nach symmetrischen und geometrischen Formen. Symmetrische Kompositionen vermitteln dem Betrachter ein Gefühl von Harmonie und Ausgeglichenheit. Geometrische Muster und Linien können aber auch dazu dienen, das visuelle Interesse zu wecken und die Struktur des Gebäudes zu betonen.

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Komposition für Architekturfotografen: Dynamik trifft Raum zum Atmen
Der Schlüssel zu aussagekräftigen Bildern ist eine bewusste und durchdachte Bildkomposition. Das ist in der Architekturfotografie nicht anders. Grundsätzlich gelten für die Architekturfotografie ähnliche Regeln wie für die Landschaftsfotografie - schließlich werden Architekturaufnahmen auch gerne als „Stadtlandschaften“ bezeichnet, insbesondere wenn Menschen im Bild zu sehen sind. Es ist nicht ganz einfach, ein Motiv im geschäftigen Treiben der Stadt passend zu arrangieren. Störende Details wie Kräne, Baugerüste, Verkehrsschilder oder Mülltonnen lassen sich nicht verschieben und nur mit großem Aufwand in der Bildbearbeitung entfernen.
Aber man kann von ihnen ablenken. Zum Beispiel durch eine galante Lichtspur, die dem Bild Dynamik und Richtung gibt und solche unerwünschten Elemente im Vordergrund verschwinden lässt. Auch das Entfernen von Personen aus dem Bild ist mit einer Langzeitbelichtung kein Problem.
Der Trick besteht darin, die gewünschte Szene wie eine Filmkulisse zu behandeln. Beziehen Sie die Umgebung so mit ein, dass sie eine Geschichte erzählt und Tiefe vermittelt. Überlegen Sie sich einen Blickwinkel, der störende Elemente von vornherein ausschließt. Wichtig ist auch die Lichtrichtung. Wo steht die Sonne, wo bringt künstliches Licht wie Straßenlaternen Wärme und Licht?
Mehr Tipps rund um die Bildkomposition gibt es auch in unserem umfassenden Beitrag rund um Komposition und Gestaltung.

Vier Tipps zur perfekten Komposition
1. Tipp: Mittlere Brennweite
Dies ist ein Trick, um zu vermeiden, dass man von einer Einstellung überwältigt wird und vergisst, andere auszuprobieren: Beginnen Sie mit der mittleren Brennweite Ihres Objektivs. Bei einem 24-70 mm Objektiv sind das etwa 50 mm.
2. Tipp: Rückseite checken
Versuchen Sie, ein Gebäude aus der entgegengesetzten Seite zu fotografieren. Wird das Gebäude typischerweise von Osten her aufgenommen, nehmen Sie das Gebäude von Westen aus auf. Das bringt Ihnen neue (und vielleicht sogar bessere) Perspektiven auf das Motiv.
3. Tipp: Abstand zum Motiv variieren
Probieren Sie verschiedene Entfernungen zum Motiv aus, indem Sie sich physisch vom Motiv entfernen, aber auch indem Sie verschiedene Brennweiten ausprobieren. Dies kann zu Verzerrungen führen, regt aber die Kreativität an.
4. Tipp: Kontext verändern
Versuchen Sie, Ihr Motiv nicht nur aus der Distanz zu fotografieren, sondern auch unter Einbeziehung der Umgebung. Wenn sich Details in der Nähe der Kamera befinden, versuchen Sie, sie als Rahmen oder Führungslinie in Ihrer Komposition zu verwenden. Hier bieten sich beispielsweise Bäume in einem Park an, der sich vor dem Gebäude befindet.
Fotoprojekte und Praxistipps zur Architekturfotografie
Kreatives Projekt Treppenhäuser: Kunstvolle und abstrakte Innenarchitektur
Die Treppenhausfotografie fügt sich nahtlos in die Architekturfotografie ein, da sie einen wesentlichen Aspekt der Innenraumgestaltung darstellt. Treppenhäuser sind oft zentrale Elemente eines Gebäudes und bieten nicht nur funktionalen Nutzen, sondern auch ästhetische und gestalterische Werte. Die Fotografie von Treppenhäusern bietet daher eine Vielzahl von Techniken und kreativen Ansätzen, um ihre architektonische Schönheit und einzigartige Geometrie einzufangen.
Die Wahl der richtigen Perspektive ist bei diesen Motiven von entscheidender Bedeutung. Symmetrische Aufnahmen, bei denen die Kamera genau in der Mitte des Treppenhauses positioniert ist, betonen Struktur und Geometrie. Leicht seitlich versetzt ergeben sich Bilder mit den Kompositionsregeln der Fibonacci-Spirale oder des Goldenen Schnitts.
Ein Treppenhaus kann entweder von oben nach unten oder von unten nach oben fotografiert werden. Je nach Innenarchitektur bietet sich die eine oder andere Perspektive besonders an. Ein schönes Deckenfenster bildet ein zentrales Highlight in der Ansicht von unten nach oben. Gibt es dagegen oben nur eine Betondecke und unten einen effektvollen Marmorfußboden, ist dies der Blickwinkel der Wahl. In diesem Fall benötigen Sie allerdings ein Stativ mit klappbarer Mittelsäule oder sogar ein Galgenstativ und einen Fernauslöser, um Ihre Kamera mittig über dem Treppenhaus zu positionieren.
Bei der Bildgestaltung und dem Bildausschnitt ist es wichtig, störende Elemente zu vermeiden und sich auf die wesentlichen architektonischen Merkmale zu konzentrieren. Details wie Geländer, Stufen oder Zierelemente sollten gezielt in Szene gesetzt werden, um die handwerkliche und gestalterische Qualität hervorzuheben.

Kreatives Projekt: Das perfekte Licht
Bei Außenaufnahmen ist Timing alles. Wir sind den Elementen ausgeliefert, wenn es um günstige Licht- und Wetterverhältnisse geht. Es ist wichtig, dass wir uns an alle Bedingungen anpassen können. Wie in der Landschaftsfotografie sind auch in der Architekturfotografie Sonnenaufgang und Sonnenuntergang die bevorzugten Tageszeiten, da sie ein wärmeres und weicheres Licht mit insgesamt geringerem Kontrast bieten. Auf diese Weise ist es einfacher, die Farbtöne innerhalb des Dynamikumfangs der Kamera zu halten und sowohl Über- als auch Unterbelichtung zu vermeiden.
Aber auch in der Architekturfotografie ist es möglich, starke Bilder jenseits der klassischen Zeiten einzufangen. So lassen sich auch bei Nacht immersive Aufnahmen machen. Denn viele öffentliche Gebäude verfügen über spezielle Lichtinstallationen. Diese erfordern jedoch lange Belichtungszeiten, da das vorhandene Licht eher schwach ist. Man kann sie aber auch nutzen, um den nächtlichen Verkehr als Lichtspur im Bild festzuhalten. Und auch die sonst so gemiedene Mittagssonne kann für die Architekturfotografie genutzt werden. Abstrakte Detailaufnahmen, die von einem hohen Kontrast profitieren, lassen sich hier einfangen. Suchen Sie dazu nach sich wiederholenden Mustern an Fassaden.

Goldene Stunde
Die goldene Stunde ist eine fantastische Zeit für die Architekturfotografie, genauso wie für die Landschaftsfotografie. Vor allem, wenn man die Umgebung (Stadt oder Natur) in das Bild mit einbezieht.

Mittagssonne
Der Kontrast der Mittagsstunden kann auch architektonisch genutzt werden: Jetzt lassen sich besondere Details an Fassaden einfangen. Die Sonne selbst wird am besten aus dem Bild gelassen.

Nacht
Da sich die Gebäude nicht bewegen, sind sie auch nachts mögliche Motive. Innen- und Außenbeleuchtung lassen die Gebäude in einem ganz neuen Licht erscheinen. Lange Belichtungszeiten (und ein Stativ) sind allerdings erforderlich.

Kreatives Projekt: Architekturfotografie ohne Stativ
Ein Stativ ist eine praktische Hilfe. Lange Belichtungszeiten in der Dämmerung sind ohne nicht möglich und auch lange Brennweiten profitieren von einem stabilen Stativ, da sie bei kürzeren Belichtungszeiten deutlich schneller verwackeln. In großen Menschenmengen an belebten Plätzen ist das Arbeiten mit einem Stativ allerdings oft schwierig, in manchen öffentlichen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten ist es sogar verboten, ein Stativ mitzunehmen. Dies ist oft auch dann der Fall, wenn das Fotografieren selbst an diesen Orten erlaubt ist.
Aber es gibt ein paar Tricks. So können Sie auch ohne Stativ scharfe und verwacklungsfreie Bilder machen. Wir zeigen Ihnen vier einfache Schritte, die Sie fast immer anwenden können. Und für die meisten brauchen Sie kein Zubehör, sondern nur Ihre Kamera.

Richtige Körperhaltung
Halten Sie die Kamera so nah wie möglich am Körper, um Erschütterungen zu vermeiden. Winkeln Sie die Arme an und stützen Sie das Objektiv mit der anderen Hand ab. Verwenden Sie den Sucher, um die Kamera in einer idealen Position nahe am Körper zu halten.
Einbein-Stative
Einbeinstative sind manchmal an Orten erlaubt, an denen Stative verboten sind. Sie sind leichter und handlicher als klassische Stative und sollten in keinem Koffer eines Architekturfotografen fehlen. Tipp: Es gibt auch Stative, die aus einem klassischen Dreibeinstativ ein Einbeinstativ machen.
Die ideale ISO-Empfindlichkeit ISO 1.600
Die Verschlusszeit kann schnell zu lang werden, wenn sich die Lichtverhältnisse ändern. Verwenden Sie in diesem Fall eine etwas höhere ISO-Empfindlichkeit, z. B. ISO 1600.
Minimale Verschlusszeit im Blick
Wählen Sie eine minimale Verschlusszeit, damit Sie sicher sein können, dass Sie nicht länger belichten, als Sie ruhig halten können. Tipp: Um zu vermeiden, dass die Kamera zu lange Verschlusszeiten verwendet, können Sie auch die automatischen Einstellungen Ihrer Kamera auf eine minimale Verschlusszeit begrenzen. Wir empfehlen einen Wert von mindestens 1/160 Sekunde.
Fazit
Architekturfotografie ist eine faszinierende Kombination aus Technik und Kunst. Mit der richtigen Perspektive, Technik und Ausrüstung lassen sich eindrucksvolle und einzigartige Bilder von Bauwerken schaffen. Mit kreativen Ansätzen und unter Berücksichtigung von Licht, Schatten und Komposition können Fotografen die Schönheit und Einzigartigkeit von Architektur einfangen. Schärfen Sie Ihre eigenen Fähigkeiten in der Architekturfotografie, um beeindruckende Ergebnisse zu erzielen.
Erfahren Sie mehr über den Autor
Jan-Ole Schmidt (lieber einfach Ole genannt) stammt aus Norddeutschland und ist seit vielen Jahren bei WhiteWall tätig. Als Teamleiter im Produktmanagement bringt er langjährige Erfahrung in der Foto-Branche mit. Die Fotografie hat er sich autodidaktisch erschlossen und dabei fundiertes Know-how zu Bildproduktion, Papieren, Kaschierungen und Rahmungen aufgebaut.
Seine Stärke liegt in der Verbindung von technischer Expertise und Kundenperspektive – vom Dateiupload bis zur Rahmung im WhiteWall-Konfigurator. Ole hat Workshops gehalten, war in Podcasts zu Gast und steht im engen Austausch mit der Fotocommunity. Er lebt, arbeitet und fotografiert in Köln.

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