Geometrie, Licht und verborgene Ebenen
In unserem Interview spricht Marta über ihre kreative Entwicklung, ihre Faszination für Spiegelungen und Doppelbelichtungen sowie darüber, welchen Einfluss Mathematik und Architektur auf ihre Arbeit haben.
Marta Fabris über mathematische Ästhetik und urbane Spiegelungen
Du bist in Padua, Italien, geboren und lebst dort bis heute. Gleichzeitig arbeitest du als Mathematiklehrerin. Wie wurde Fotografie zu einem so wichtigen Teil deines Lebens?
Die Fotografie kam eher zufällig in mein Leben – das war 2021. Anfangs war sie ein spielerischer Ausgleich, aber mit der Zeit wurde sie zu einem festen Bestandteil meines Alltags. Wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, vergesse ich alles um mich herum und lasse mich ganz auf meine Umgebung ein. Ich fühle mich mit dem Raum und dem Licht verbunden und kann meiner Kreativität freien Lauf lassen. In diesen Momenten habe ich das Gefühl, ganz bei mir selbst zu sein – ohne Druck, ohne Erwartungen.
Wie beeinflusst deine Arbeit als Mathematiklehrerin deine Fotografie?
Formen, Linien und Geometrien helfen mir dabei, Räume und Licht zu lesen und zu verstehen. Ich mag reduzierte, klare Bildwelten und habe oft einen sehr rationalen Zugang zur Komposition. In meinen Fotografien versuche ich, die wenigen vorhandenen Elemente nach einer geometrischen und ästhetischen Vorstellung anzuordnen.
Du beschreibst die Stadt oft als Bühne. Wonach suchst du, wenn du mit deiner Kamera durch urbane Räume gehst – und was macht für dich einen alltäglichen Moment bedeutungsvoll?
Wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, versuche ich, meinen Kopf möglichst frei von Erwartungen oder festen Vorstellungen zu halten. Mich interessiert das, was mir der Ort in diesem Moment anbietet. Deshalb gehe ich selten mit einem konkreten Konzept los – denn der würde mich womöglich daran hindern, andere Perspektiven oder unerwartete Situationen wahrzunehmen.
Wenn ich auf eine Szene stoße, die zu meiner Bildsprache passt, warte ich auf den richtigen Moment und auf das ideale Motiv. Meistens orientiere ich mich dabei am Licht: Gibt es Schatten, versuche ich, sie bewusst einzusetzen. Ist das Licht intensiv, arbeite ich mit Spiegelungen. Bei diffusem Licht experimentiere ich mit Doppelbelichtungen. Ein alltäglicher Moment wird für mich dann bedeutungsvoll, wenn er mir die Möglichkeit gibt, etwas zu erzählen oder spürbar zu machen.

Foto: Marta Fabris | Intensives Licht, Spiegelungen und Reflexionen entfalten hinter hochwertigem Acrylglas ihre volle Wirkung. Die ArtBox aus Eichenholz verleiht der Tiefe des Motivs eine eindrucksvolle Präsenz im Raum.
Was macht eine Szene für dich fotografierenswert?
Sie muss etwas in mir auslösen. Ich muss das Gefühl haben, einen Moment des Lebens vor mir zu sehen, den es wert ist, geteilt zu werden – eine Situation, die zum Nachdenken anregt oder durch Farben und Atmosphäre fasziniert. Es ist immer ein unmittelbarer, intuitiver Impuls, der eng mit meinen eigenen Emotionen verbunden ist.
Welchen Einfluss hat Architektur auf deine Bilder?
Architektur ist in ihrer Schönheit eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Manchmal erhebt sie den Menschen durch ihre Gestaltung, manchmal schafft sie Räume, in denen Menschlichkeit besonders sichtbar wird. Im Zentrum meiner Bilder steht jedoch immer der Mensch – in seiner Größe ebenso wie in seiner Zerbrechlichkeit.
Spiegelungen und Doppelbelichtungen tauchen häufig in deinen Fotografien auf. Was fasziniert dich an diesen vielschichtigen Bildern?
Diese Bildsprache ermöglicht es, mehrere Geschichten gleichzeitig in einer einzigen Aufnahme zu erzählen. Doppelbelichtungen empfinde ich als unglaublich kraftvoll und intensiv – manchmal einzigartig durch die Vielzahl an Ebenen und Details. In diesen Überlagerungen wird mitunter sogar Zeit selbst sichtbar.

Foto: Marta Fabris | Die fein strukturierte Oberfläche des Hahnemühle FineArt Pearl verleiht den Ebenen des Motivs zusätzliche Tiefe und Ausdruck. Der Passepartout-Rahmen Hamburg in Schwarz fokussiert den Blick in zeitloser Galerie-Ästhetik.
Du sagst, deine Fotografie sei nicht statisch, sondern entwickle sich ständig weiter – genau wie das Leben. Wie hat sich deine Bildsprache im Laufe der Zeit verändert?
Ich habe das Gefühl, dass sich meine Bildsprache beinahe von Monat zu Monat verändert. Auch wenn ich inzwischen eine eigene Handschrift entwickelt habe, suche ich ständig nach Details, die ein Bild oder eine Erzählung noch stärker machen können. Das Schöne an der Fotografie ist ihre Offenheit: Es gibt immer neue Möglichkeiten, neue Tiefen – und man hört nie auf zu lernen oder zu entdecken.
Deine Bilder arbeiten oft mit feinen Ebenen, Texturen, Spiegelungen und starken Tonwertkontrasten. Was verändert sich für dich, wenn diese Arbeiten gedruckt und nicht auf einem Bildschirm betrachtet werden?
Die eigenen Fotografien als Print zu sehen, ist jedes Mal etwas Besonderes. Es fühlt sich an, als würde der Moment noch stärker festgehalten – als bekäme er eine konkrete Form und einen festen Platz in der Wirklichkeit.
Wie wichtig sind Material, Oberfläche und Format, wenn deine Arbeiten physisch präsentiert werden?
Bisher habe ich den Entscheidungen der Kuratorinnen und Kuratoren vertraut, die meine Arbeiten ausgestellt haben, und war mit den Ergebnissen immer sehr zufrieden. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass die Qualität eines Drucks die Wirkung und Lesbarkeit eines Bildes entscheidend verändern kann.

Foto: Marta Fabris | Die warme Anmutung des Passepartout-Rahmens Hamburg in Nussbaum und die charakteristische Haptik des Hahnemühle William Turner Fine Art Papiers ergänzen das Motiv auf harmonische Weise. Durch die Aquarellstruktur entsteht eine natürliche, beinahe malerische Bildwirkung.
Welchen Rat würdest du Fotografinnen und Fotografen geben, die einen persönlicheren Blick auf die Stadt entwickeln möchten?
Ich würde empfehlen, viele Arbeiten anderer Fotografinnen und Fotografen anzusehen, Ausstellungen zu besuchen und selbst sehr viel zu fotografieren – idealerweise über längere Zeit an einem Thema, um verschiedene fotografische Techniken wirklich kennenzulernen.
Vor allem am Anfang hatte ich in meiner Freizeit fast immer meine Kamera dabei, um auszuprobieren und zu experimentieren. Fehler sind dabei unglaublich wertvoll – genauso wie Bilder, die zunächst „misslungen“ oder „unnötig“ erscheinen. Denn gerade beim späteren Betrachten erkennt man, wie sich Blick und Bildgestaltung weiterentwickeln.
Ich habe deutliche Fortschritte gemacht, indem ich mich immer wieder intensiv einzelnen Techniken gewidmet und anschließend entschieden habe, was wirklich zu mir passt. So gab es Phasen der Astrofotografie, der Nachtfotografie, der Porträtfotografie, der Street Photography, der Langzeitbelichtung – und viele weitere.
Was sollten wir außerdem über dich wissen?
Ich glaube, dass meine Fotografien bereits sehr viel über mich erzählen. Sie zeigen meine Sicht auf das Leben – geprägt von Neugier und einer Begeisterung, die nicht nachlässt.
Für mich ist Fotografie die Möglichkeit, die Wirklichkeit mit anderen Augen zu betrachten: neue Nuancen zu entdecken, Details wahrzunehmen und den Charakter eines Ortes und seiner Menschen sichtbar zu machen. Sie gibt mir das Gefühl, überall auf der Welt zuhause sein zu können.
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Marta Fabris
Marta Fabris lebt und arbeitet in Padua, Italien. Neben ihrer Tätigkeit als Mathematiklehrerin widmet sie sich seit 2021 intensiv der Fotografie. Für Marta ist Fotografie weit mehr als ein kreatives Medium – sie ist eine Möglichkeit, die Welt mit neuen Augen zu sehen und die Geschichten des Alltags sichtbar zu machen.

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