Highspeed Fotografie

Die Faszination des Augenblicks

Von WhiteWall-Experte Jan-Ole Schmidt

In einer Welt, die ständig in Bewegung ist, bietet die Highspeed-Fotografie eine einzigartige Möglichkeit, Momente festzuhalten, die für das menschliche Auge zu schnell sind. Diese besondere Technik ermöglicht faszinierende Einblicke in flüchtige Augenblicke und schafft beeindruckende Bilder von Dingen, die sich in Bruchteilen von Sekunden abspielen. Erfahren Sie, was es mit der Highspeed-Fotografie auf sich hat, wie Sie sie kreativ einsetzen können, welche Kameraeinstellungen notwendig sind, wie Sie mit Blitzlicht arbeiten, welches Zubehör Sie benötigen und was Sie sonst noch beachten sollten.

Was ist Highspeed-Fotografie?

Die Highspeed-Fotografie ist eine fotografische Technik, die darauf abzielt, Ereignisse festzuhalten, die extrem schnell ablaufen und für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar sind. Dazu gehören zum Beispiel Wassertropfen, die auf eine Oberfläche auftreffen, platzende Luftballons und Glühbirnen oder fliegende Insekten. Die Highspeed-Fotografie erfordert spezielle Kameraeinstellungen und oft auch spezielles Zubehör, um die schnellen Bewegungen scharf und detailreich einzufangen.

Der Hauptunterschied zwischen der Highspeed-Fotografie und der Fotografie herkömmlicher Motive liegt in der Verschlusszeit der Kamera und der Abbrennzeit des Blitzgerätes. Während bei Standardmotiven wie Porträts, Landschaften oder Alltagssituationen Verschlusszeiten von etwa 1/60 bis 1/2.000 Sekunde üblich sind, arbeitet die Highspeed-Fotografie oft mit Verschlusszeiten von 1/8.000 Sekunde oder noch kürzer. Diese extrem kurzen Verschlusszeiten sind notwendig, um Bewegungen „einzufrieren“ und scharfe Bilder von schnell ablaufenden Ereignissen zu erzielen. Bei schwachem Umgebungslicht rückt zudem die Abbrennzeit des Blitzgerätes in den Vordergrund. Statt mit hoher Blitzleistung, wie sie beispielsweise zum Aufhellen von Motiven gegen die Sonne erforderlich ist, arbeitet man in der Highspeed-Fotografie mit geringer Blitzleistung und gleichzeitig sehr kurzen Abbrennzeiten. Das Ergebnis ist vergleichbar mit der kurzen Verschlusszeit der Kamera. Beide Methoden führen dazu, dass Bewegungen eingefroren werden. Wie das funktioniert, erfahren Sie im weiteren Verlauf dieses Blog-Beitrags.

Kreative Einsatzmöglichkeiten der Highspeed Fotografie

Die Highspeed-Fotografie bietet eine Vielzahl kreativer Möglichkeiten, die weit über das bloße Einfrieren von Bewegungen hinausgehen.

Wasser und Flüssigkeiten

Die Highspeed-Fotografie ermöglicht spektakuläre Aufnahmen von Wasser, indem schnelle Bewegungen wie Tropfen, Spritzer und Wellen in Sekundenbruchteilen eingefroren werden. Auf diese Weise können komplexe Bewegungsmuster des Wassers sichtbar gemacht werden, wie etwa der Moment, in dem ein Tropfen auf die Wasseroberfläche trifft und eine Krone bildet, oder die dynamischen Formen von Spritzern und Strömungen.

Wassertropfen trifft auf Wasseroberfläche und erzeugt eine dynamische Spritzbewegung mit mehreren kleinen Tropfen.

Ein bekanntes Beispiel sind die appetitlichen Bilder von Früchten oder Süßigkeiten, die in Wasser, Milch oder Sirup fallen. Der Reiz liegt immer darin, das Aufspritzen der Flüssigkeit einzufangen. Die Beliebtheit solcher Aufnahmen rührt unter anderem daher, dass solche Tabletop-Highspeed-Aufnahmen mit wenig Aufwand zu Hause nachgemacht werden können. Für die Aufnahme benötigt man nicht mehr als eine Kamera und ein oder zwei Blitzgeräte.

Explosionen und Brüche

Die Highspeed-Fotografie wird auch eingesetzt, um den Moment einer Explosion oder eines Bruchs festzuhalten. Das kann sowohl für wissenschaftliche Zwecke als auch für kreative Projekte von Interesse sein. Der Moment, in dem ein Glas zerbricht oder ein Ballon platzt, bietet eine dramatische und visuell beeindruckende Darstellung von Bewegung und Kräften.

Natur und Tiere

Die Tierfotografie profitiert enorm von der Highspeed-Fotografie. Stellen Sie sich vor, Sie könnten den Moment festhalten, in dem ein Vogel seine Flügel hebt, um abzuheben, oder den Moment, in dem eine Raubkatze ihre Beute packt. Diese flüchtigen Momente, die normalerweise zu schnell für das menschliche Auge ablaufen, lassen sich mit extrem kurzen Verschlusszeiten in erstaunlicher Präzision festhalten.

Eisvogel steigt aus dem Wasser mit einem Fisch im Schnabel und spritzendem Wasser.

Sportfotografie

In der Sportfotografie ermöglicht die Highspeed-Technik das Einfangen dynamischer Bewegungen. Ob ein Fußballspieler den Ball tritt, ein Sprinter die Ziellinie überquert oder ein Turner durch die Luft schwebt - mit der Highspeed-Fotografie lassen sich faszinierende Momente voller Kraft und Dynamik einfangen.

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Wichtige Kamera- und Blitzeinstellungen für die Highspeed-Fotografie

Die notwendigen Kamera- und evtl. Blitzeinstellungen für Highspeed-Fotografie unterscheiden sich je nach Umgebungslicht.

Highspeed-Fotografie bei Tageslicht

Sollen Bewegungen von Tieren oder Sportlern bei Tageslicht eingefroren werden, empfiehlt sich eine kurze Verschlusszeit der Kamera von etwa 1/4.000 bis 1/8.000 Sekunde. Einige moderne Systemkameras schaffen sogar 1/16.000 Sekunde und kürzer. Zusätzlich sollte im Serienbildmodus gearbeitet werden, um den gesamten Bewegungsablauf des Tieres oder des Sportlers einzufangen. So können die besten Bilder später in Ruhe ausgewählt werden.

Je kürzer die Verschlusszeit, desto weniger Licht trifft auf den Sensor. Um eine ideale Belichtung zu erreichen, muss daher mit der Blende und der ISO-Empfindlichkeit nachjustiert werden. Wir empfehlen eine Blendenöffnung von f/8 oder f/11, um die Schärfentiefe zu erhöhen, damit das Motiv bei Bewegung nicht zu schnell aus dem Fokus gerät. Bei Tieren oder Sportlern und gleichzeitig hellem Tageslicht ist es außerdem sinnvoll, den Autofokus auf kontinuierliche Schärfenachführung (AF-S) einzustellen. Abschließend wird ein zu den Einstellungen passender ISO-Wert gewählt - entweder manuell oder, wenn es schnell gehen muss, per ISO-Automatik.

Skifahrer in orangefarbener Jacke und Schutzbrille fährt durch tiefen Schnee vor schwarzem Hintergrund.

Highspeed-Fotografie im Studio

Um Highspeed-Aufnahmen in einem schwach beleuchteten Studio zu realisieren, gibt es zwei Möglichkeiten. Will man beispielsweise auch im Studio mit kurzen Verschlusszeiten arbeiten, benötigt man Blitzgeräte, die die sogenannte Highspeed-Synchronisation (HSS) unterstützen. Dabei gibt das Blitzgerät schnelle und kurze Lichtimpulse ab. Das ist notwendig, da bei kürzeren Verschlusszeiten als der Blitzsynchronzeit der Kamerasensor nie vollständig belichtet wird. Bei so kurzen Verschlusszeiten folgt der zweite mechanische Verschlussvorhang dem ersten so schnell, dass ein Schlitz entsteht, der über die Sensorfläche wandert. Damit die Blitzlicht-Aufnahme keine dunklen, durch den Verschluss abgeschatteten Bereiche aufweist, sorgt die High-Speed-Synchronisation dafür, dass der Sensor während der stückweisen Belichtung durch den Schlitzverschluss durch die schnellen Lichtimpulse gleichmäßig belichtet wird.

Basketballspieler in rotem Trikot springt zum Dunking in einer großen Halle mit Publikum im Hintergrund.

Es gibt aber noch eine andere Methode, die die Begrenzung durch die Blitzsynchronzeit umgeht und Highspeed-Aufnahmen auch mit Blitzgeräten ohne HSS-Funktion ermöglicht. Dabei wird die Bewegung nicht über die Verschlusszeit der Kamera, sondern über die Abbrennzeit des Blitzgerätes eingefroren. Und so wird’s gemacht: Die Technik basiert auf einer Langzeitbelichtung in einem dunklen Raum. Die Kamera wird beispielsweise auf eine Langzeitbelichtung zwischen zwei und fünf Sekunden eingestellt. Während dieser Belichtungszeit bleibt der Raum dunkel, so dass die Kamera nichts aufnimmt und der Hintergrund schwarz bleibt. Wenn nun während der langen Belichtungszeit die Aktion, z.B. ein Wassertropfen, der auf die Wasseroberfläche fällt, stattfindet und im richtigen Moment ganz kurz mit dem Blitz belichtet wird, kann die Bewegung eingefroren werden, ohne dass eine Bewegungsunschärfe entsteht. Für den Rest der Langzeitbelichtung bleibt das Bild dunkel. Da der Autofokus im Dunkeln nicht arbeiten kann, wird der Fokus vorher bei eingeschaltetem Studiolicht manuell an die gewünschte Stelle gesetzt. Die ISO-Empfindlichkeit sollte so niedrig wie möglich gewählt werden, um Bildrauschen zu vermeiden. Bei der Wahl der Blende empfiehlt sich eine Blendenöffnung zwischen f/8 und f/16, um eine ausreichende Schärfentiefe zu erreichen, insbesondere bei Aufnahmen mit Makroobjektiven.

Hilfreiches Zubehör für die Highspeed Fotografie

Neben einer Kamera und Blitzlichtern gibt es weiteres Zubehör, das Ihnen helfen kann, beeindruckende Highspeed-Aufnahmen umzusetzen. Wird im Studio gearbeitet, ist ein Stativ unerlässlich, um die Kamera stabil zu halten und Verwacklungen zu vermeiden. Das ist besonders wichtig, wenn mit langen Belichtungszeiten gearbeitet wird. Bei Tageslicht kann auf ein Stativ meist verzichtet werden. Bei schweren Teleobjektiven in der Sport- und Tierfotografie kann es jedoch sinnvoll sein, mit einem Monopod (Einbeinstativ) zu arbeiten.

Darüber hinaus sind in der Highspeed-Studiofotografie spezielle Fernauslöser (Trigger) hilfreich, um die Kamera oder den Blitz im richtigen Moment auszulösen und Verwacklungen zu vermeiden. Letztere können z. B. entstehen, wenn der Auslöser der Kamera bei einer langen Belichtungszeit mit dem Finger betätigt wird. Es gibt spezielle Auslöser, die auf Schall, Licht und Bewegung reagieren. Ein Schallauslöser kann zum Beispiel in einem dunklen Studio den Moment erkennen, in dem ein Luftballon oder eine Glühbirne platzt, während ein Lichtauslöser auf schnelle Lichtveränderungen reagiert, wie sie zum Beispiel bei einem Blitz am Himmel auftreten. Manche Spezialauslöser sind auch mit einem Laser ausgestattet und reagieren, wenn der Laserstrahl durch eine Bewegung unterbrochen wird. Das kann z.B. bei der Tierfotografie sehr hilfreich sein.

Bei der Wahl des Fernauslösers ist es auch wichtig zu überlegen, ob der Auslöser nur an der Kamera oder auch direkt am Blitz angebracht werden soll. Wird z.B. im dunklen Studio mit Langzeitbelichtung gearbeitet, sollte der spezielle Fernauslöser direkt mit dem Blitz verbunden sein, um die Bewegung des Motivs im richtigen Moment mit einem gezielten Blitzimpuls einzufrieren. Achten Sie für den Fall darauf, dass der Fernauslöser den Anschluss Ihres Blitzgerätes unterstützt.

Sicherheit geht vor!

Achten Sie auf Ihre Sicherheit und die aller Anwesenden, wenn Sie mit potenziell gefährlichen Szenarien wie explodierenden Gegenständen oder Funkenflug arbeiten. Sorgen Sie für eine sichere Arbeitsumgebung und tragen Sie gegebenenfalls Schutzkleidung. Wenn Sie nur mit Wasser arbeiten, empfehlen wir Ihnen, genügend Handtücher bereit zu legen, um Wasserspritzer aufzufangen oder wegzuwischen.

Fazit

Die Highspeed-Fotografie ist eine faszinierende und herausfordernde Technik, mit der sich flüchtige Momente in erstaunlicher Detailtreue festhalten lassen. Mit den richtigen Kameraeinstellungen, dem Einsatz von Blitzlicht und dem passenden Zubehör entstehen beeindruckende Bilder, die schnelle Bewegungen auf einzigartige Weise einfrieren. Geduld und gute Vorbereitung sind der Schlüssel zum Erfolg. Die Highspeed-Fotografie erfordert oft viele Versuche, bis das perfekte Bild entsteht. Seien Sie bereit, verschiedene Einstellungen und Techniken auszuprobieren und geben Sie nicht auf, wenn die ersten Ergebnisse nicht Ihren Erwartungen entsprechen. Mit etwas Übung und Experimentierfreude werden Sie bald in der Lage sein, faszinierende Highspeed-Aufnahmen zu machen.

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Erfahren Sie mehr über den Autor

Jan-Ole Schmidt (lieber einfach Ole genannt) stammt aus Norddeutschland und ist seit vielen Jahren bei WhiteWall tätig. Als Teamleiter im Produktmanagement bringt er langjährige Erfahrung in der Foto-Branche mit. Die Fotografie hat er sich autodidaktisch erschlossen und dabei fundiertes Know-how zu Bildproduktion, Papieren, Kaschierungen und Rahmungen aufgebaut.

Seine Stärke liegt in der Verbindung von technischer Expertise und Kundenperspektive – vom Dateiupload bis zur Rahmung im WhiteWall-Konfigurator. Ole hat Workshops gehalten, war in Podcasts zu Gast und steht im engen Austausch mit der Fotocommunity. Er lebt, arbeitet und fotografiert in Köln.

Jan-Ole Schmidts Webseite
Porträt von Jan Ole Schmidt.

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